Warum ist das Baugebiet Vogelstange so schwierig?

Der Wohnungsneubau in Münster war in den letzten Jahrzehnten von nicht unerheblichen Schwankungen gekennzeichnet. Während in den Neunziger Jahren aufgrund des starken Einwohner-Zuzugs zum Teil mehr als 2.000 Wohnungen fertig gestellt wurden, sank diese Zahl nach dem Jahr 2000 auf unter 1.000 Wohnungen.

Relativ konstant zeigte sich dabei der Eigenheimbau, der über die Jahre immer um einen Wert von ca. 500 Wohneinheiten pendelt. Anders ist die Situation beim Mehrfamilienhausbau, wo es erhebliche Schwankungen gibt. Die Wohnbau Unternehmen bevorzugen für den Bau von Miet- und Eigentumswohnungen eindeutig innerstädtische Lagen. Um den Mehrfamilienhausbau zu steigern, ist somit neben der klassischen Baulandentwicklung die Verfügbarkeit von Standorten in innerstädtischen Lagen erforderlich. Dies gilt aber nicht nur innerstädtischen Flächen im Stadtbezirk Münster Mitte, sondern ebenso für die zentrumsnahen Bereiche der Stadtteile.

Das geplante Baugebiet zwischen der Bezirkssportanlage Hiltrup-Süd und der Straße “Zur Vogelstange” ist daher eine attraktive Lage. Entstehen sollen zweigeschossige Mehrfamilienhäuser mit 40 bis 50 Wohneinheiten. Ein großer Teil der Wohnungen soll im öffentlich geförderten Wohnungsbau errichtet werden. Außerdem besteht hier die Möglichkeit, eine Kindertagesstätte zu errichten.

Seit dem Frühjahr 2016 wird der Standort nun schon zwischen Anwohnern, städtischen Planern und auch zwischen den politischen Parteien diskutiert. Es taucht natürlich auch hier ein generelles Problem auf: Durch die zusätzliche Bebauung verschwinden bisher unbebaute Flächen, entstehen während der Bauphasen Lärm und Schwerlastverkehr, verändern sich freie Blickachsen und Ausblicke, ziehen mehr Menschen in ein Quartier, entstehen dauerhaft neue Wegebeziehungen und Verkehre. Will man wie beschrieben, neue Miet- und Eigentumswohnungen in zentralen Lagen bauen, bleibt dies den bisherigen Anliegern der Neubau Flächen nicht erspart. Das ist immer mehr oder weniger hart und greift oftmals in lieb gewonnene, vermeintliche Besitzstände ein.
Skeptische oder auch kritische Reaktionen der Anwohner sind daher verständlich und zeigen sich bei ähnlichen Projekten in der ganzen Stadt. Die Stadt ist aber auf die Gewinnung solcher Flächen angewiesen, will sie ihre Ziele im Wohnungsbau erreichen. Keine einfache Situation! Es sind schwierige Entscheidungsprozesse in denen stets die Interessen von potentiellen Neubürgern gegen die der Anwohner abzuwägen sind.
Schnelle Lösungen sind daher kaum erreichbar und so ist auch die seit einem Jahr andauernde Diskussion um das geplante Baugebiet an der Vogelstange erklärbar.
Heute melden die WN, die Anlieger haben nun einen eigenen Vorschlag für den Bebauungsplan erarbeitet. Eine kleine Skizze ist auf dem Bild zum Artikel erkennbar.
Wir begrüßen es grundsätzlich, wenn die Bereitschaft zum Dialog besteht. Bei der Bürgeranhörung im April 2016 stand noch die Skepsis im Vordergrund. Folgt man dem WN Artikel, scheint die Art der geplanten Bebauung (zweigeschossige Miet- und Eigentumswohnungen) inzwischen mehr Akzeptanz zu finden. Das ist gut.

Das ist der Link zum WN Artikel (Jetzt zeichnen die Anwohner selbst)
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Die ausschließliche Erschließung von der Westfalenstraße ist jedoch eine alte Position, die wohl wenig Chancen hat. Selbst eine offene und großzügige Fuß- und Radwegeverbindung zur Straße „Zur Vogelstange“ ist der Skizze in der Zeitung nicht zu entnehmen. Ist das richtig und wirklich so gewollt? Wie sollte man das nennen? Was würden die neuen Nachbarn dazu denken, wenn sie feststellten, dass hier offensichtlich der Versuch einer „Abgrenzung“ unternommen würde?

Eine solche Situation haben wir in Hiltrup West schon. Seit mehr als 10 Jahren ist es nicht gelungen, den Spielplatz an der Bainingstraße zur Langestraße zur öffnen. Auch hier ist ein ganzes Quartier abgeschnitten. Noch einmal darf es eine solche Ausgrenzung nicht geben!
Die CDU scheint da anders zudenken, wenn man der WN Glauben schenkt. Schauen wir einmal was die Grünen sagen.

Für die SPD erinnere ich an zwei unserer bekannten Slogans: „Münster für Alle!“ und „Für eine offen Stadt!“ Damit dürfte klar sein, welche Ideen und Varianten wir mittragen können.

Hermann Geusendam-Wode