Die Debatte um einen möglichen unbezahlten Karenztag am ersten Krankheitstag zeigt einmal mehr, wie schnell grundlegende Arbeitnehmerrechte zur Disposition gestellt werden. Ausgelöst durch entsprechende Überlegungen am Wochenende, kursierte die Idee, die Lohnfortzahlung erst ab dem zweiten Krankheitstag zu gewähren. Für die SPD ist klar: Das ist der falsche Weg.
Sarah Philipp, Vorsitzende der NRWSPD, bringt es auf den Punkt: „Krankheit zu bestrafen, ist ungerecht – dabei bleibt es.“
Angriff auf ein zentrales Arbeitnehmerrecht
Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist kein „Bonus“, sondern ein hart erkämpftes Recht. Sie steht für Solidarität in unserer Arbeitswelt: Wer krank ist, darf nicht zusätzlich finanziell bestraft werden. Gerade Beschäftigte in den durch den Fachkräftemangel belasteten Berufen – in der Pflege, im Einzelhandel oder im Handwerk und Industrie – wären von solchen Einschnitten besonders betroffen.
Ein Karenztag würde genau diejenigen treffen, die ohnehin wenig Spielraum haben. Wer es sich finanziell nicht leisten kann, auf einen Tag Lohn zu verzichten, geht im Zweifel krank zur Arbeit. Die Folgen sind absehbar: längere Krankheitsverläufe, höhere Ansteckungsrisiken und am Ende höhere Kosten für die gesamte Gesellschaft.
Falsche Antworten auf echte Probleme
Die deutsche Wirtschaft steht vor Herausforderungen, das ist unbestritten. Aber die Ursachen sind vielfältig: schleppende Investitionen, Fachkräftemangel, Transformationsdruck in Industrie und Energie, globale Unsicherheiten. Wer darauf mit dem Abbau sozialer Sicherheiten reagiert, greift zu kurz. Es entsteht der Eindruck, dass konservative Stimmen immer wieder denselben Reflex zeigen: Statt strukturelle Probleme anzugehen, sollen abhängig Beschäftigte den Preis zahlen. Das ist weder gerecht noch wirtschaftlich klug.
SPD: Für starke Rechte und gute Arbeit
Für die SPD steht fest: Unser Sozialstaat ist kein Hindernis für Wachstum – er ist eine Voraussetzung für Stabilität und Zusammenhalt. Deshalb gilt:
- Keine Kürzung bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall
- Stärkung von Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz
- Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf
- Investitionen in gute Arbeit und Fachkräftesicherung
Oder, wie Sarah Philipp es formuliert: „Das kann nicht im Sinne einer solidarischen Gesellschaft sein.“
Mein Fazit: Wer ernsthaft über die Zukunft unserer Wirtschaft spricht, muss über Innovation, Investitionen und faire Arbeitsbedingungen reden – nicht über Kürzungen bei denjenigen, die jeden Tag den Laden am Laufen halten. Die SPD wird das „Tafelsilber“ unseres Sozialstaats verteidigen. Denn Fortschritt bedeutet nicht weniger Sicherheit – sondern mehr.