Aktuelles

  • Für meine Generation war ein eigenes Auto zunächst ein Traum. Nicht irgendein Traum, sondern ein ziemlich großer. Ein Auto bedeutete Freiheit: Man konnte einfach losfahren, musste nicht mehr auf den Bus warten und war plötzlich unabhängig. Für viele von uns war der Kauf des ersten Autos eine gewaltige Anschaffung – oft verschlang ein Kleinwagen einen erheblichen Teil des Jahreseinkommens. Und dann stand er vor der Tür: der Käfer, der Kadett, der R4 der Ford 12 M. Man war stolz. Was wir damals weniger wahrgenommen haben: Diese Autos waren erstaunlich unsicher. Keine Knautschzonen, wie wir sie heute kennen. Keine Airbags. Keine elektronischen Stabilitätsprogramme. Keine Kopfstützen. Sicherheitsgurte waren zunächst längst nicht selbstverständlich.

    Vielleicht erinnert sich noch jemand an die Fahrschule. Das Fahrschulauto war häufig ein relativ neuer Wagen – und plötzlich saß man in einem Auto, das Dinge hatte, die man aus dem eigenen Familienwagen gar nicht kannte: Kopfstützen und Dreipunktgurte die man jedes mal neu einstellen musste. Man gewöhnte sich daran. Aber nicht unbedingt freiwillig. Als die ersten Sicherheitsgurte Pflicht wurden, gab es Widerstand. Warum sollte man sich während der Fahrt „festbinden“? Das sei unbequem. Man könne sich bei einem Unfall vielleicht nicht mehr befreien. Und überhaupt: Man fahre schließlich vorsichtig.
    Die freiwillige Gurtbenutzung funktionierte nicht ausreichend. Also wurde die Pflicht eingeführt – zunächst auf den Vordersitzen, später auch hinten. Heute erscheint uns das selbstverständlich.

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  • Auszubildende sind kein Problem – sie sind unsere Zukunft

    Der neue Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbunds ist alarmierend: Jeder zweite Auszubildende fühlt sich psychisch belastet. Die Zufriedenheit mit der Ausbildung sinkt. Überstunden, ausbildungsfremde Tätigkeiten, fehlende Betreuung und schlechte Kommunikation gehören zu den Problemen, von denen junge Menschen berichten.
    Die Zahlen sollte man ernst nehmen. Die Befragung ist umfangreich und methodisch solide. Und die Probleme sind real.

    Aber man kann einen solchen Report auf unterschiedliche Weise lesen. Man kann ihn als Anklage gegen die Ausbildungsbetriebe verstehen. Oder als weiteren Beleg dafür, dass die junge Generation immer weniger belastbar sei. Ich glaube, beides greift zu kurz. Denn hinter den Zahlen steckt eine viel interessantere Frage: Was passiert eigentlich, wenn eine veränderte junge Generation auf eine Arbeitswelt trifft, die sich selbst ebenfalls verändert hat?

    Natürlich waren Jugendliche schon immer anders als die Generation vor ihnen. Das ist nichts Neues. Aber die Lebenswelt hat sich verändert. Viele junge Menschen wachsen heute mit weniger Geschwistern auf, bekommen viel Aufmerksamkeit und werden stärker begleitet. Eltern greifen häufiger ein, wenn es schwierig wird. Lob und positive Verstärkung spielen eine größere Rolle. Gleichzeitig haben soziale Medien eine Welt geschaffen, in der Schwächen möglichst nicht gezeigt werden. Das ist nicht automatisch schlecht. Aber junge Menschen bringen dadurch teilweise andere Erfahrungen mit, wenn sie in eine Ausbildung kommen. Dort gelten plötzlich andere Regeln. Man muss morgens zuverlässig erscheinen. Acht Stunden Arbeit können körperlich anstrengend sein. Man muss sich konzentrieren, auch wenn man gerade keine Lust dazu hat. Man muss warten, bis man an der Reihe ist. Kritik aushalten. Sich in ein Team einfügen. Aufgaben erledigen, deren Sinn man vielleicht noch nicht versteht. Und manchmal auch etwas tun, was schlicht keinen Spaß macht. Das muss man lernen. Manche müssen sogar lernen, sich selbst realistisch einzuschätzen.

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  • Der immer schneller steigende Schuldenberg der USA klingt zunächst nach einem Problem weit weg. Ist es aber nicht. Was in Washington, an den Finanzmärkten und mit dem Dollar passiert, kann auch unseren Alltag und die Handlungsmöglichkeiten Deutschlands und Europas beeinflussen. Viele Menschen werden den Handelsblatt-Kommentar über die „große Schuldenlüge der USA“ wahrscheinlich überblättern. Zu kompliziert, zu weit weg, zu viel Finanzpolitik. Dabei steckt dahinter eine Entwicklung, die uns alle interessieren sollte.

    Die USA leben seit vielen Jahren auf großem Fuß. Der Staat gibt mehr Geld aus, als er einnimmt, und finanziert die Differenz über neue Schulden. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Auch Staaten können sich verschulden. Entscheidend ist, ob ihre Wirtschaft stark genug wächst und ob die Kosten für die Schulden beherrschbar bleiben. Genau hier wird es inzwischen interessant. Die USA müssen inzwischen für langfristige Staatsanleihen wieder mehr als fünf Prozent Zinsen bieten. Das klingt zunächst vielleicht nicht dramatisch. Bei einem einzelnen Kredit wäre es das auch nicht, aber die USA haben einen Schuldenberg von inzwischen mehr als 40 Billionen Dollar >>> 40.000.000.000.000 (Vierzig Billionen)

    Natürlich wird nicht die gesamte Summe gleichzeitig zu fünf Prozent neu verzinst. Die alten Anleihen laufen zu unterschiedlichen Zeiten aus und werden nach und nach ersetzt. Trotzdem steigt mit jedem Refinanzierungsschritt der Anteil der Schulden, für den höhere Zinsen bezahlt werden müssen. Und damit entsteht ein unangenehmer Kreislauf: Mehr Schulden bedeuten mehr Zinsen. Mehr Zinsen bedeuten höhere Staatsausgaben. Höhere Ausgaben bedeuten neue Schulden. Und neue Schulden können wiederum zu höheren Zinsen führen. Noch droht keine unmittelbare Staatspleite, die USA können ihre Schulden weiterhin bedienen. Aber die finanzielle Bewegungsfreiheit des Staates wird kleiner, auch wenn der Präsident das nicht wahrhaben will.

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  • Deutschland erlebt gerade ziemlich eindrucksvoll, was Klimawandel bedeutet. Hitze, Dürre, Waldbrände und Niedrigwasser sind keine abstrakten Zukunftsszenarien mehr. Sie treffen Menschen, Kommunen, Landwirtschaft und Wirtschaft – und sie treffen uns jetzt. In den vergangenen Wochen habe ich mich hier mehrfach mit diesen Entwicklungen beschäftigt: mit der Frage, wie hitzeresilient unsere Städte eigentlich sind, mit dem Niedrigwasser und dem Ruf nach mehr Baggern und mit der grundsätzlichen Frage, wie wir uns auf eine Zukunft einstellen, in der extreme Wetterlagen häufiger werden. Jetzt kommt Bewegung in die Bundespolitik und bemerkenswert ist vor allem, wer dabei den Takt vorgibt: Fünf SPD-Ministerien legen einen gemeinsamen Plan vor

    Die sozialdemokratischen Bundesministerinnen und Bundesminister aus den Bereichen Umwelt, Finanzen, Arbeit und Soziales, Bauen sowie Entwicklung haben einen gemeinsamen Aktionsplan gegen die Folgen des Klimawandels vorgelegt. Das vierseitige Papier enthält rund ein Dutzend konkrete Vorschläge. Dazu gehören ein nationaler Hitzeaktionsplan, besserer Schutz von Beschäftigten bei extremen Temperaturen, Anpassungen im Bauplanungsrecht und zusätzliche Unterstützung für Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und andere soziale Einrichtungen. Auch natürliche Maßnahmen wie die Renaturierung von Flüssen und Mooren sollen stärker genutzt werden. Das ist zunächst einmal genau das, was ich von einer Bundesregierung erwarte: Nicht nur feststellen, dass es heiß ist. Sondern überlegen, was daraus politisch folgen muss.

    Der entscheidende Punkt: Wer bezahlt die Anpassung? Besonders interessant wird der Vorstoß dort, wo es um die Finanzierung geht. Denn Klimaanpassung findet zu einem großen Teil vor Ort statt. Städte müssen Bäume pflanzen, Plätze entsiegeln, Schatten schaffen, Schulen und Kindergärten schützen, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen anpassen und mit Wasser vorsichtiger umgehen. Aber die Kommunen können diese Aufgaben vielfach nicht allein finanzieren. Genau deshalb fordert die SPD eine Änderung des Grundgesetzes. Klimaanpassung und Naturschutz sollen als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern verankert werden. Damit könnte der Bund Kommunen und Länder dauerhaft und rechtssicher bei entsprechenden Maßnahmen unterstützen.
    Das ist keineswegs eine völlig neue Idee. Die Umweltministerinnen und Umweltminister von Bund und Ländern haben bereits im Mai 2025 einstimmig für eine solche gemeinschaftliche Finanzierung von Klimaanpassung und Naturschutz votiert. Auch die Umweltministerkonferenz 2026 führt die Frage weiter.

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  • Wer erinnert sich noch an diese Sommer? Die Fenster standen weit offen. Auf der Straße knatterten Mofas, irgendwo tuckerte ein alter Diesel vor sich hin und wenn ein Bus vorbeifuhr, zog eine Abgaswolke hinterher. Und Zigarettenrauch, den gab es fast überallt. Er gehörte einfach dazu. Im Wohnzimmer, im Restaurant, in der Kneipe, im Büro, im Zug und sogar in manchen Wartezimmern wurde geraucht. Alte Filme wirken heute manchmal wie Dokumentationen aus einer anderen Welt: Fast überall sitzt jemand mit einer Zigarette in der Hand. Dicken Zigarrenrauch mochte auch damals niemand besonders. Man verzog das Gesicht, machte vielleicht das Fenster auf – und ertrug es trotzdem. Denn es war normal.

    Wir waren Kinder. Wir spielten draußen, fuhren Fahrrad und verbrachten ganze Nachmittage auf der Straße oder am Kanal. Und wenn die Luft nach Benzin, Abgasen, Rauch oder manchmal auch nach Industrie roch, dachte kaum jemand darüber nach, was wir da eigentlich einatmeten. Heute würden wir das vermutlich anders sehen. Und das ist eine ziemlich gute Nachricht. Denn die Luftbelastung ist in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten erheblich zurückgegangen. Das Umweltbundesamt dokumentiert deutliche Verbesserungen bei zahlreichen Luftschadstoffen. Besonders bei Feinstaub und Stickstoffdioxid sind die Belastungen stark gesunken. Auch Münster ist dafür ein gutes Beispiel.

    Die Stadt hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen zur Luftreinhaltung umgesetzt. Dazu gehören unter anderem strengere Umweltzonenregelungen, abgasärmere Busse, Veränderungen der Verkehrsführung und die Förderung von Radverkehr und öffentlichem Nahverkehr. Der Jahresgrenzwert für Stickstoffdioxid von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter wird in Münster seit 2017 an allen Messstationen eingehalten. Und die aktuellen Messwerte zeigen, wie groß der Unterschied inzwischen ist: An der verkehrsnahen Messstation an der Weseler Straße lag der Jahresmittelwert 2024 bei 18 Mikrogramm Stickstoffdioxid, 15 Mikrogramm PM10 und 10 Mikrogramm PM2,5. Natürlich ist damit nicht alles gut. Luftschadstoffe bleiben gesundheitlich relevant und gerade der Verkehr verursacht weiterhin Belastungen.

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