Energiekosten - Unabhängigkeit statt Ölprofite

Die jüngsten Quartalszahlen der großen Ölkonzerne zeigen einmal mehr, wie viel Geld mit fossilen Energieträgern verdient wird. Während Kriege, politische Krisen und Hitzewellen weltweit die Schlagzeilen bestimmen, haben acht der größten Ölkonzerne zwischen April und Juni zusammengerechnet rund 93 Milliarden US-Dollar Gewinn erzielt – fast doppelt so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Diese Zahlen sind kein Zufall. Sie zeigen vor allem eines: Solange unsere Wirtschaft und unser Alltag von Öl und Gas abhängig bleiben, fließen enorme Summen an wenige internationale Konzerne. Mit wirtschaftlicher Stärke wächst zwangsläufig auch politischer Einfluss. Die fossile Industrie gehört seit Jahrzehnten zu den einflussreichsten Lobbygruppen der Welt. Sie setzt sich verständlicherweise für ihre Geschäftsmodelle ein – doch diese Interessen decken sich nicht immer mit den langfristigen Interessen unserer Gesellschaft.

Dabei geht es längst nicht mehr nur um den Klimaschutz. Es geht ebenso um Versorgungssicherheit, wirtschaftliche Stabilität und politische Unabhängigkeit. Jede Krise im Nahen Osten, jede Blockade wichtiger Handelswege und jede Unsicherheit auf den Energiemärkten kann sich unmittelbar auf unsere Heizkosten, Kraftstoffpreise und Stromrechnungen auswirken. Die gute Nachricht ist: Noch nie war es für uns Bürgerinnen und Bürger so einfach, selbst etwas dagegen zu tun. Wer sich für eine Wärmepumpe entscheidet, wer ein Elektroauto fährt, eine Photovoltaikanlage installiert oder auch nur ein steckerfertiges Balkonkraftwerk aufstellt, spart langfristig fossile Energie ein. Jede selbst erzeugte Kilowattstunde Strom muss nicht aus Öl oder Gas produziert werden. Jede Entscheidung für erneuerbare Energien macht uns ein kleines Stück unabhängiger.

Natürlich wird niemand von heute auf morgen vollständig auf fossile Energien verzichten können. Aber Millionen kleiner Entscheidungen ergeben zusammen eine enorme Wirkung. Genau deshalb sind Förderprogramme für Photovoltaik, Wärmepumpen oder Elektromobilität keine ideologischen Projekte. Sie sind Investitionen in die Zukunft unseres Landes. Klimaschutz ist deshalb weit mehr als Umweltpolitik. Er ist Wirtschafts-, Sicherheits- und Freiheitspolitik zugleich.
Wer erneuerbare Energien nutzt, schützt nicht nur das Klima. Er macht sich unabhängiger von den Preisschwankungen auf den Weltmärkten, stärkt die regionale Wertschöpfung und entzieht den fossilen Geschäftsmodellen langfristig ihre wirtschaftliche Grundlage. Jede Kilowattstunde aus Sonne oder Wind ist deshalb ein kleiner Beitrag zu mehr Freiheit. Nicht aus moralischen Gründen, sondern aus gesundem Menschenverstand.

Denn die wirksamste Antwort auf Rekordgewinne der Ölkonzerne ist nicht der Ruf nach immer neuen Steuern oder Eingriffen. Die wirksamste Antwort ist, ihre Produkte Schritt für Schritt überflüssig zu machen.