Am 27. Februar ist Equal Pay Day. Dieses Datum markiert symbolisch den Zeitraum, den Frauen über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssten, um auf das durchschnittliche Vorjahreseinkommen von Männern zu kommen. Vom 1. Januar bis heute arbeiten Frauen rechnerisch unbezahlt, während Männer seit Jahresbeginn für ihre Arbeit entlohnt werden.
Der Hintergrund ist ernüchternd: Frauen verdienen in Deutschland im Durchschnitt noch immer rund 16 Prozent weniger pro Stunde als Männer. Zwar ist die Lohnlücke in den vergangenen Jahren kleiner geworden – geschlossen ist sie aber noch lange nicht.
Strukturelle Ursachen statt individueller Entscheidungen
Der sogenannte Gender Pay Gap ist kein Ergebnis individueller „Lebensentscheidungen“, sondern Ausdruck struktureller Ungleichheiten.
Frauen arbeiten deutlich häufiger in Teilzeit. Der Grund dafür liegt selten in fehlendem Ehrgeiz, sondern in ungleich verteilter Sorgearbeit. Noch immer übernehmen Frauen den Großteil der Care-Arbeit: Sie betreuen Kinder, pflegen Angehörige und organisieren den Familienalltag. Diese Arbeit ist gesellschaftlich unverzichtbar – wird aber weder ausreichend bezahlt noch gerecht zwischen den Geschlechtern verteilt.
Hinzu kommt, dass Frauen überproportional in Berufen tätig sind, die gesellschaftlich elementar, aber schlechter entlohnt sind: in der Pflege, in der Erziehung, im sozialen Bereich oder im Dienstleistungssektor. Tätigkeiten, die unsere Gesellschaft zusammenhalten, erfahren finanziell oft nicht die Wertschätzung, die sie verdienen.
Ein besonders einschneidender Moment ist für viele Frauen die Familiengründung. Während die Lohnlücke bei kinderlosen 30-Jährigen vergleichsweise gering ist, steigt sie bei Eltern deutlich an. Wer wegen der Kinderbetreuung beruflich pausiert oder in Teilzeit zurückkehrt, verliert nicht nur Einkommen, sondern häufig auch Aufstiegsmöglichkeiten. Diese Nachteile summieren sich über Jahre hinweg – bis hinein in die Altersvorsorge. Altersarmut ist deshalb in Deutschland noch immer weiblich.
Warum das eine Frage der Gerechtigkeit ist – und der Vernunft
Ungleiche Bezahlung ist kein Randthema und kein individuelles Problem. Sie betrifft unsere gesamte Gesellschaft.
Wenn Frauen strukturell weniger verdienen, erhöht das nicht nur ihr Armutsrisiko, sondern schwächt auch die wirtschaftliche Stabilität von Familien insgesamt. Gleichzeitig verschenkt unsere Gesellschaft enormes Potenzial. In Zeiten von Fachkräftemangel können wir es uns schlicht nicht leisten, qualifizierte Frauen durch strukturelle Benachteiligungen auszubremsen.
Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt bedeutet mehr wirtschaftliche Unabhängigkeit, mehr soziale Sicherheit und mehr Fairness. Sie ist ein zentraler Baustein moderner Wirtschafts- und Sozialpolitik.
Für Sarah Philipp, Landesvorsitzende der NRWSPD, ist deshalb klar:
> „Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist und bleibt eines der zentralen Gerechtigkeitsthemen der heutigen Zeit.“
Dem schließen wir uns als SPD-Ortsverein ausdrücklich an.
Was jetzt zu tun ist
Der Equal Pay Day erinnert uns jedes Jahr daran, dass Fortschritt möglich ist – aber nicht von allein kommt. Notwendig sind:
- eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf
- der weitere Ausbau qualitativ hochwertiger und verlässlicher Kinderbetreuung
- mehr Transparenz bei Löhnen und Gehältern
- die Aufwertung sozialer und pflegerischer Berufe
- eine partnerschaftliche Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit
Gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit ist kein Privileg, sondern eine Selbstverständlichkeit in einer gerechten Gesellschaft.
Der Equal Pay Day ist daher nicht nur ein Symboltag. Er ist ein Auftrag: weiterzumachen, Ungleichheiten offen zu benennen und politische Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Gleichstellung nicht nur ein Versprechen bleibt, sondern Realität wird.
Du möchtest mehr zum Equal Pay Day erfahren? Hier findest Du das diesjährige Journal, mit spannenden Interviews, Grafiken und Fakten zum Thema.