Der neue Recyclinghof an der Hansestraße wird weit mehr als der Ersatz für den bisherigen kleinen Hof an der Glasuritstraße. Er erweitert demnächst das Angebot für Bürgerinnen und Bürger erheblich, bringt deutliche Vorteile für Gewerbetreibende und wird den Recyclinghof Coerde entlasten. Über mögliche Auswirkungen auf die Müllgebühren sollte man seriöserweise dagegen erst speckulieren, wenn die Zahlen tatsächlich vorliegen.
Der Hiltruper Recyclinghof an der Glasuritstraße ist längst zu klein geworden. Das ist seit Jahren bekannt. Wer dort mit einem Anhänger, einem größeren Fahrzeug oder als Gewerbetreibender Abfälle anliefern möchte, hat heute allerdings ein Problem: Solche Anlieferungen sind grundsätzlich nur in Coerde möglich. Auch etwas größere Mengen Bauschutt oder bestimmte Bau- und Renovierungsabfälle können nur in Coerde entsorgt werden. Für viele Hiltruper bedeutet das: Anhänger anhängen, einmal quer durch die Stadt nach Coerde fahren, dort warten, abladen und wieder zurück. Eine solche Fahrt wird schnell zwei Stunden kosten – nicht nur Zeit, auch Kraftstoff und Nerven.
Das soll sich mit dem neuen Standort an der Hansestraße grundlegend ändern, denn er wird kein Ersatz, sondern ein neues Angebot. Diese entscheidende Nachricht geht in der Diskussion über die 9,5 Millionen Euro Investitionskosten schnell etwas unter. Die Planung der Stadt verbindet zukünftig an der Hansestraße zwei Funktionen: Einen größeren Recyclinghof für Hiltrup und den ursprünglich an anderer Stelle geplanten Zentralhof Süd. Damit entsteht eine neue Einrichtung, die deutlich mehr leisten soll als der heutige Standort. Die Stadt selbst beschreibt das Projekt als größeren, moderneren Recyclinghof mit mehr Service und erweiterten Öffnungszeiten.
Das zeigt sich schon an der geplanten Nutzung: Künftig sollen dort neben normalen Pkw auch Pkw mit Anhänger, Transporter und Gewerbefahrzeuge dort anliefern können. Genau diese Anlieferungen sind heute – mit wenigen Ausnahmen – auf Coerde beschränkt. Für Hiltrup bedeutet das ganz konkrete Verbesserungen:- Bauschutt mit dem Anhänger nach Coerde? Künftig soll das in Hiltrup möglich sein.
- Größere Mengen aus einer Renovierung? Künftig soll dafür der Weg nach Coerde entfallen.
- Gewerblicher Abfall? Auch dafür soll es künftig einen Standort im Süden Münsters geben.
Das ist für mich ein wesentlicher Bestandteil bei der Bewertung des Projekts. Der neue Recyclinghof soll nicht nur größer werden. Er soll auch deutlich besser organisiert sein. Geplant sind unter anderem eine Fahrzeugwaage bereits bei der Einfahrt, eine sogenannte Fast-Lane für bestimmte kostenfreie Fraktionen, eine Fahrradspur, eine digitale Anzeige der Wartezeit sowie eine getrennte Kunden- und Containerebene. (D.h. man muss den Müll nicht mehr über Treppen auf Container Höhe wuchten, sondern kann von Oben die Container befüllen)
Auch die Öffnungszeiten sollen deutlich ausgeweitet werden. Statt der heute drei halbe Tage ist künftig ein Betrieb von Montag bis Samstag vorgesehen.
Damit wird aus dem bisherigen kleinen Stadtteilhof eine moderne Entsorgungseinrichtung, die deutlich stärker auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet ist.
Aber es geht nicht nur ums Wegwerfen. Geplant sind auch Wiederverwendung, eine Tauschbörse und ein Repair-Café. Elektrogeräte sollen überdacht und geordnet angenommen werden, für Problemstoffe ist eine eigene Annahme vorgesehen. Hinzu kommen beispielsweise Schüttboxen für Grünabfälle und ein Bereich für Kompost. Das ist ein wichtiger Schritt weg von der einfachen Logik „Abfall abladen und weg“ hin zu Recycling, Wiederverwendung und möglichst hochwertiger Verwertung.
Besonders interessant ist der neue Standort für die vielen kleineren Betriebe in Hiltrup und im Süden Münsters, denn die können ihre gewerblichen Abfälle nur in Coerde anliefern. Die AWM weisen ausdrücklich darauf hin, dass bisher nur dort Gewerbeabfälle gebührenpflichtig angenommen werden. Für einen Handwerksbetrieb, einen Gartenbaubetrieb oder ein anderes kleines Unternehmen ist der Weg nach Coerde ein echter zusätzlicher Aufwand.
Ein Recyclinghof in Hiltrup bedeutet deshalb nicht nur mehr Bürgernähe, er ist auch ein Stück bessere Infrastruktur für den Wirtschaftsstandort Hiltrup. Und das Projekt berücksichtigt diesen Aspekt auch finanziell: Die zusätzlichen Einnahmen durch Gewerbekunden sollen nach der Planung einen Teil der zusätzlichen Personalkosten auffangen.
Und was ist mit den Müllgebühren? Hier würde ich die Diskussion etwas bremsen. Die Überschrift „9,5 Millionen Euro – das könnte die Müllgebühren erhöhen“ ist als Frage legitim. Eine Gebührenerhöhung als unmittelbare Folge des neuen Recyclinghofs steht aber noch nicht fest. Die AWM haben für 2026 ohnehin eine Gebührenerhöhung um 6,95 Prozent beschlossen. Als Gründe wurden vor allem gestiegene Personal-, Material- und Betriebskosten genannt. Für 2027 und 2028 werden derzeit jeweils weitere Kostensteigerungen von rund sieben Prozent prognostiziert. Das sind allerdings nicht automatisch Kosten des neuen Recyclinghofs.
Die genaue Kostenschätzung, der Betriebsablauf und die Personalplanung für den neuen Standort sollen erst zum späteren Baubeschluss vorliegen. Erst dann lässt sich seriös beurteilen, welche zusätzlichen Kosten tatsächlich entstehen und welchen Einnahmen und möglichen Einsparungen sie gegenüberstehen. Deshalb halte ich es für sinnvoll, die Gebührenfrage offen und transparent zu berechnen – aber heute noch nicht vorwegzunehmen. Denn schließlich steht dem Aufwand auch ein Nutzen gegenüber: Der neue Standort soll den Recyclinghof Coerde entlasten und bisherige Wege für Bürgerinnen, Bürger und Gewerbetreibende verkürzen.
Und dann gibt es noch ein kostenintensives brandgefährliches Problem, das mir persönlich größere Sorgen macht: Akkus gehören nicht in den Hausmüll!
Das klingt banal, ist aber inzwischen ein ernstes Problem der Abfallwirtschaft. Die AWM berichten, dass es durch falsch entsorgte Batterien und Akkus immer wieder zu Bränden in Abfallsammelfahrzeugen und in der Restabfallbehandlungsanlage kommt – durchschnittlich rund 50 Brände in einem halben Jahr. Ein Großbrand nach einem Fahrrad-Akku verursachte 2023 sogar einen Millionenschaden. Das zeigt: Eine möglichst einfache und sichere Möglichkeit, Elektrogeräte, Batterien und andere Problemstoffe richtig abzugeben, ist nicht nur eine Frage des Komforts. Sie kann auch Sicherheits- und Kostenrisiken der Abfallwirtschaft reduzieren. Der neue Recyclinghof soll dafür bessere Strukturen schaffen. Eine geordnete Elektrogeräte- und Problemstoffannahme ist deshalb ein wichtiger Bestandteil des Projekts. Ob dadurch tatsächlich weniger Brände entstehen und welche Kosten sich dadurch vermeiden lassen, kann heute natürlich niemand beziffern. Aber je besser gefährliche Stoffe aus dem normalen Abfallstrom herausgehalten werden, desto besser ist es für Beschäftigte, Anlagen und letztlich auch für die Gebührenzahler.
Der neue Recyclinghof ist deshalb eine Infrastrukturentscheidung. Ich finde, man sollte das Projekt nicht allein auf die Zahl 9,5 Millionen Euro reduzieren.
Natürlich muss eine solche Investition wirtschaftlich gerechnet werden. Natürlich braucht der neue Standort ein überzeugendes Verkehrskonzept. Und natürlich muss am Ende klar sein, welche Folgekosten entstehen. Aber gleichzeitig sollten wir uns ansehen, was wir für dieses Geld bekommen:
Einen größeren und modernen Recyclinghof für Hiltrup, zusätzliche Kapazitäten für den Süden Münsters, die Möglichkeit zur Anlieferung mit Anhängern und größeren Fahrzeugen, einen Zugang für Gewerbebetriebe, längere Öffnungszeiten, bessere Verkehrsabläufe auf dem Gelände, mehr Möglichkeiten für Recycling und Wiederverwendung – und vor allem: Für viele Hiltruper entfallen künftig Wartezeiten oder auch ein Umweg nach Coerde.