In den nächsten Monaten wird viel darüber gesprochen werden, wer Frank-Walter Steinmeier als Bundespräsident oder Bundespräsidentin nachfolgen soll: Wer soll Staatsoberhaupt werden? Mir kommt dabei der Gedanke: Vielleicht stellen wir manchmal die falsche Frage. Wir diskutieren über Namen, Parteien, Regionen (Nord/Süd/West/Ost) oder darüber, ob nun endlich eine Frau das höchste Staatsamt übernehmen sollte. Das alles hat seine Berechtigung. Aber viel wichtiger erscheint mir eine andere Frage: Wonach sehnen wir uns eigentlich?
Ich glaube, viele Menschen wünschen sich wieder Persönlichkeiten, die Orientierung geben. Menschen, die nicht bei jeder Gelegenheit den lautesten Applaus suchen, sondern Vertrauen schaffen. Die zuhören können. Die Widersprüche aushalten. Die Brücken bauen, statt Gräben zu vertiefen. Autorität entsteht nicht durch ein Amt. Sie entsteht durch Haltung. Vielleicht ist genau das der Grund, warum sich viele heute gut vorstellen können, dass erstmals eine Frau Bundespräsidentin wird. Nicht als Symbol oder Quote. Sondern weil wir längst erlebt haben, dass Führungsstärke viele Gesichter haben kann. Wer Verantwortung übernimmt, Entscheidungen trifft und dabei Menschen mitnimmt, überzeugt durch Persönlichkeit – nicht durch sein Geschlecht.
Unsere Demokratie lebt davon, dass wir unterschiedliche Meinungen haben. Aber sie lebt ebenso davon, dass es Menschen gibt, die uns immer wieder daran erinnern, was uns verbindet. Gerade in einer Zeit, in der vieles lauter, schneller und unversöhnlicher geworden ist, wünsche ich mir ein Staatsoberhaupt, das Gelassenheit ausstrahlt. Jemanden, der nicht jedes Problem lösen muss, aber Hoffnung geben kann. Vielleicht ist das die wichtigste Aufgabe überhaupt.
Ich wünsche mir für Deutschland nicht den lautesten Menschen an der Spitze. Ich wünsche mir den glaubwürdigsten.
Ein schönes Wochenende!