Gedenkort „Waldfrieden“: Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit

Mit dem Grundsatzbeschluss der Bezirksvertretung und dessen Bestätigung im Rat der Stadt Münster wird ein wichtiger Meilenstein erreicht: Das ehemalige Zwangsarbeiterlager „Waldfrieden“ soll zu einem Gedenk- und Lernort weiterentwickelt werden. Dafür haben sich viele Menschen über Jahre hinweg engagiert. Ihnen allen gebührt Anerkennung.

In den vergangenen Tagen wurde vor allem darüber diskutiert, wer den Gedenkort später pflegt und unterhält. Diese Frage ist wichtig – sie gehört zu jedem verantwortungsvoll geplanten Projekt. Sie ist aber nur ein Baustein eines geordneten Umsetzungsprozesses und sollte nicht den Blick auf das Wesentliche verstellen.

Jetzt geht es zunächst darum, den Gedenkort zu realisieren. Die notwendigen finanziellen Grundlagen werden Schritt für Schritt geschaffen. Mittel der Bezirksvertretung stehen bereit, weitere Fördermöglichkeiten und Sponsoren sollen eingebunden werden. Erst wenn das Konzept konkret ausgearbeitet ist, können die dauerhaften Aufgaben für Pflege, Kontrolle und Unterhaltung verbindlich geregelt werden. Genau so sieht es auch die Beschlussvorlage vor.

Mindestens ebenso wichtig ist ein zweiter Schritt, der möglichst parallel beginnen sollte: der Aufbau eines breiten Bürgernetzwerks. Ein Gedenkort lebt nicht von Informationstafeln allein. Er lebt von Menschen, die Geschichte vermitteln, Führungen anbieten, Bildungsprogramme entwickeln und Erinnerungsarbeit dauerhaft mit Leben füllen.

Deshalb möchten wir alle Interessierten zum Mitmachen einladen. Wir brauchen Schulen und Lehrkräfte, Kirchengemeinden, Vereine, Historikerinnen und Historiker, junge Menschen, Nachbarschaften und engagierte Bürgerinnen und Bürger. Ebenso wünschen wir uns die Unterstützung aller demokratischen Parteien in Hiltrup. Erinnerungskultur ist keine parteipolitische Aufgabe, sondern eine gemeinsame Verantwortung unserer Stadtgesellschaft.

Gerade weil die Geschichte des Lagers „Waldfrieden“ uns mahnt, wohin Ausgrenzung und Menschenverachtung führen können, sollte der neue Gedenk- und Lernort ein Ort des gemeinsamen Erinnerns und Lernens werden. Unterschiedliche politische und gesellschaftliche Gruppen können hier ihren Beitrag leisten – getragen von Respekt, Sachlichkeit und dem gemeinsamen Ziel, die Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Zwangsarbeit wachzuhalten.

Ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingt. Die Bereitschaft zum Mitmachen ist in Hiltrup groß. Wenn viele Menschen ihre Erfahrungen, ihr Wissen und ihre Ideen einbringen, kann am Waldfrieden ein Gedenk- und Lernort entstehen, der weit über unseren Stadtteil hinaus Bedeutung gewinnt.

Wer Interesse hat, sich in dieses Bürgernetzwerk einzubringen, ist herzlich eingeladen.

Bitte wenden Sie sich an das Hiltruper Museum, das als unabhängiger örtlicher Ansprechpartner fungiert. E-Mail: info@hiltruper-museum.de

Jede Form der Mitarbeit – ob historisches Wissen, pädagogische Ideen, organisatorische Unterstützung oder die Begleitung von Besuchergruppen – ist willkommen. Erinnern ist eine Aufgabe, die uns alle angeht.