Öffentliche Brunnen sind kein verzichtbares Beiwerk, das man folgenlos abstellen kann.

In der heutigen WN wird über die Zukunft der öffentlichen Brunnen in Münster berichtet, auch über den Hiltruper Brunnen an der Marktallee.

Ein Kommentar:

Der Artikel über den Zustand der städtischen Brunnen in Münster hinterlässt vielleicht zunächst Ratlosigkeit – und auch Ärger. Wenn die Stadtverwaltung anregt, Betrieb und Sanierung von Brunnenanlagen „grundsätzlich kritisch zu hinterfragen“, offenbart das ein erstaunlich reduziertes Verständnis von Stadtqualität.

Öffentliche Brunnen sind kein verzichtbares Beiwerk, das man folgenlos abstellen kann. Sie sind seit der Antike elementarer Bestandteil europäischer Stadtkultur – Orte der Begegnung, der Abkühlung, der Identifikation. Sie prägen das Stadtbild, und genau dieses Stadtbild ist derzeit ein hochsensibles Thema, an dem sich viele Bürgerinnen und Bürger emotional abarbeiten. Wer hier leichtfertig kürzt, gießt Öl ins Feuer.

Besonders deutlich wird das am Beispiel der Marktallee in Hiltrup. Der seit Jahren trockengelegte Brunnen sorgt vor Ort für großen Unmut. Für viele Menschen ist der Platz vor der Clemenskirche mit Brunnen und Sitzbänken nahezu der einzige öffentliche Ort zum Verweilen – jenseits von Gastronomie. Gerade in einem Stadtteilzentrum, dessen Einzelhandel ohnehin massiv unter Druck steht, ist Aufenthaltsqualität kein Luxus, sondern eine Voraussetzung für Lebendigkeit. Dem lokalen Handel gilt meine volle Solidarität.

Vor diesem Hintergrund den Brunnenbetrieb pauschal infrage zu stellen, wie es der Verwaltungsbericht nahelegt, wirkt instinktlos. Natürlich ist Brunnenunterhaltung keine Pflichtaufgabe. Aber Städte bestehen nicht nur aus Pflichtaufgaben. Sie bestehen aus Räumen, in denen Menschen sich gerne aufhalten, die sie als „ihren Ort“ begreifen.

Wenn für die Brunnenunterhaltung derzeit faktisch kein Geld vorhanden ist, dann ist das kein Argument gegen Brunnen – sondern ein Armutszeugnis für kommunale Prioritätensetzung. Wer am Stadtbild spart, spart am falschen Ende.

Ich hoffe sehr, dass die Stadt Münster insbesondere für Hiltrup den Mut findet, den Brunnen an der Marktallee dauerhaft zu erhalten und verlässlich zu unterhalten. Alles andere wäre ein weiterer Verlust an urbaner Lebensqualität für unseren Stadtteil,

Hermann Geusendam-Wode