Smart Meter: Wenn selbst die Grundlagen der Energiewende nicht funktionieren

Gerade in Zeiten hoher Energiepreise, wachsender geopolitischer Spannungen und zunehmender Unsicherheit auf den Energiemärkten wird eines besonders deutlich: Die Energiewende muss funktionieren. National, aber auch vor Ort. Sie ist nicht nur ein Klimaprojekt, sondern auch eine Frage der Versorgungssicherheit und der wirtschaftlichen Stabilität. Umso erstaunlicher ist es, wie schleppend selbst grundlegende Bausteine der Energiewende in Deutschland vorankommen.

Ein Beispiel dafür ist der Einbau intelligenter Stromzähler – der sogenannten Smart Meter.

Diese Geräte sind keine technische Spielerei. Sie sind eine zentrale Voraussetzung für ein modernes Stromsystem. Nur mit Smart Metern lässt sich der Stromverbrauch in kurzen Zeitabständen messen und mit der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien abstimmen. Wenn viel Wind- oder Solarstrom verfügbar ist, können Wärmepumpen, Elektroautos oder Batteriespeicher gezielt dann laden. Das entlastet die Netze, senkt Kosten und macht erneuerbare Energien effizienter nutzbar.

Die EU hatte dafür schon sehr früh 2020 als Ziel gesetzt – und Deutschland liegt heute im europäischen Vergleich abgeschlagen zurück.
Viele Länder haben dieses Ziel inzwischen erreicht oder übertroffen:
Italien
Spanien
Schweden
Finnland
Dänemark
Österreich

Obwohl der Einbau in vielen Haushalten längst gesetzlich vorgesehen ist – etwa bei einem Stromverbrauch von mehr als 6000 Kilowattstunden im Jahr oder bei vorhandenen Wärmepumpen – kommt der sogenannte Roll-out kaum voran. Ende 2025 waren gerade einmal rund 5,5 Prozent aller Stromanschlüsse in Deutschland mit einem intelligenten Messsystem ausgestattet. Im europäischen Vergleich ist das ein ausgesprochen niedriger Wert.

Jetzt reagiert die Bundesnetzagentur sogar mit Druck: Gegen dutzende Netzbetreiber wurden Verfahren eingeleitet, weil sie die gesetzlichen Ausbauquoten nicht erfüllen oder teilweise noch nicht einmal mit dem Einbau begonnen haben.

Das wirft eine grundsätzliche Frage auf. Wenn es schon bei vergleichsweise überschaubaren Projekten wie dem Austausch von Stromzählern so lange dauert – wie soll dann die große Transformation unseres Energiesystems gelingen?

Die Energiewende bedeutet schließlich weit mehr: Millionen Wärmepumpen, neue Stromleitungen, intelligente Netze, Speicher, Ladeinfrastruktur und der massive Ausbau erneuerbarer Energien. All das funktioniert nur, wenn die Digitalisierung der Stromnetze Schritt hält. Die Verzögerungen zeigen leider ein strukturelles Problem: Zu viele Zuständigkeiten, zu komplizierte Verfahren und eine Umsetzung, die vielerorts schlicht zu langsam ist. Gerade kleinere Netzbetreiber sind mit den Anforderungen teilweise überfordert.

Dabei wäre gerade jetzt Tempo nötig. Denn je schneller unsere Stromsysteme intelligenter werden, desto besser können wir günstigen erneuerbaren Strom nutzen – und desto weniger sind wir abhängig von teuren fossilen Importen. Die Energiewende ist richtig und notwendig. Aber sie muss auch praktisch funktionieren. Dazu gehört, dass Planung, Digitalisierung und Umsetzung deutlich effizienter werden.

Ein Blick auf die Situation vor Ort zeigt, wie langsam die Digitalisierung der Energiewende selbst in ambitionierten Städten vorankommt. Zuständig für den Einbau der neuen Zähler sind in Münster die Stadtnetze Münster als örtlicher Messstellenbetreiber. Nach deren Planung sollen langfristig rund 176.000 Stromzähler modernisiert werden. Doch planmäßig sollen nur etwa 18.000 davon tatsächlich echte intelligente Messsysteme sein, also Smart Meter, die Verbrauchsdaten übermitteln und eine flexible Steuerung ermöglichen.

Der Großteil der Haushalte erhält zunächst lediglich digitale Zähler ohne Kommunikationsfunktion. Dabei wären gerade intelligente Messsysteme entscheidend, um Wärmepumpen, Solaranlagen, Batteriespeicher oder Elektroautos sinnvoll in das Stromsystem zu integrieren. Dass selbst in einer Stadt mit vielen Photovoltaikanlagen und einem starken politischen Bekenntnis zum Klimaschutz der Smart-Meter-Rollout nur langsam vorankommt, zeigt: Die Energiewende entscheidet sich nicht nur bei großen politischen Beschlüssen, sondern auch bei der praktischen Umsetzung vor Ort.

Der schleppende Smart-Meter-Ausbau ist deshalb mehr als nur ein technisches Detail. Er ist ein Warnsignal dafür, dass Deutschland bei der Umsetzung der Energiewende schneller, einfacher und pragmatischer werden muss.

Denn am Ende gilt: Große Ziele sind nur so stark wie ihre praktische Umsetzung.