Der Bundestag hat eine wichtige Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen. Mit dem neuen Altersvorsorge-Depot, das voraussichtlich ab 2027 starten soll, wird die bisherige Förderung der privaten Vorsorge – bekannt aus der Riester-Rente – grundlegend umgebaut. Der Ansatz ist richtig: Mehr Transparenz, mehr Förderung und endlich die Möglichkeit, staatlich geförderte Altersvorsorge stärker auf kostengünstige Aktien-ETFs zu stützen.
Gerade für viele Menschen, die sich bisher von komplizierten Riester-Produkten abgeschreckt fühlten, kann das ein Fortschritt sein. Trotzdem zeigt der Beschluss auch: Einige Fragen sind noch nicht zufriedenstellend gelöst.
Mehr Förderung – besonders für Familien und kleine Einkommen
Positiv ist vor allem die überarbeitete Förderung.
Die Grundförderung steigt auf bis zu 540 Euro pro Jahr. Gleichzeitig werden kleinere Sparbeträge stärker unterstützt. Wer nur rund 30 Euro im Monat einzahlen kann, erhält künftig bereits eine Förderung von bis zu 50 Prozent der Einzahlung. Besonders attraktiv wird das neue System für Familien. Für jedes Kind gibt es weiterhin 300 Euro Kinderzulage pro Jahr – allerdings deutlich leichter erreichbar als bisher. Während früher deutlich höhere Sparraten nötig waren, reicht künftig schon eine monatliche Einzahlung von etwa 25 Euro, um die volle Kinderzulage zu erhalten. Gerade für Familien mit mehreren Kindern kann sich das stark auswirken. Die staatliche Förderung kann dann sogar höher sein als der eigene Sparbeitrag.
Neu: Auch Selbstständige werden einbezogen
Ein weiterer Fortschritt: Selbstständige sollen von Anfang an teilnehmen können. Das ist wichtig, denn viele Selbstständige sind bislang nicht ausreichend in die staatlich geförderte Altersvorsorge eingebunden. Künftig können sie ebenfalls in das geförderte Depot einzahlen – auch dann, wenn sie bereits Mitglied in einem berufsständischen Versorgungswerk sind.
Staatliches Standardprodukt geplant
Neu ist außerdem eine öffentlich organisierte Standardlösung. Neben privaten Anbietern soll auch ein staatlich organisiertes Altersvorsorge-Depot angeboten werden. Dieses soll besonders einfach, transparent und kostengünstig sein. Die Hoffnung ist, dass ein solches Modell einen echten Preismaßstab setzt und so den Wettbewerb um günstige Produkte stärkt.
Der entscheidende Streitpunkt: die Kosten
So sinnvoll die Reform grundsätzlich ist – ein Problem bleibt. Der Gesetzgeber hat zwar einen Kostendeckel für Standardprodukte eingeführt, dieser liegt jedoch weiterhin bei 1 Prozent pro Jahr. Das ist bereits eine Verbesserung gegenüber dem ursprünglichen Entwurf (1,5 Prozent), bleibt aber aus Sicht vieler Verbraucherorganisationen zu hoch. Gerade bei langfristigen Anlagen können hohe Kosten über Jahrzehnte zehntausende Euro Rendite kosten. Noch kritischer: Für viele andere Produkte gilt gar kein verbindlicher Kostendeckel. Die Erfahrung mit der Riester-Rente zeigt, wie wichtig klare Regeln sind. Ohne echte Kostenbremse besteht die Gefahr, dass gerade weniger finanzkundige Menschen wieder in teure Produkte gelenkt werden.
Ein Schritt nach vorn – aber noch nicht am Ziel
Die Reform der privaten Altersvorsorge ist ein wichtiger Schritt. Mehr Förderung, die stärkere Nutzung von ETFs und die Einbeziehung von Selbstständigen sind echte Verbesserungen. Entscheidend wird nun sein, dass die neue Vorsorge einfach, transparent und wirklich kostengünstig wird. Nur dann kann sie das Vertrauen zurückgewinnen, das viele Menschen nach den Erfahrungen mit der Riester-Rente verloren haben. Die Politik steht deshalb weiterhin in der Verantwortung, die Kosten im Blick zu behalten und die Reform konsequent im Interesse der Sparerinnen und Sparer weiterzuentwickeln.
Am Ende geht es um eine einfache Frage: Wer arbeitet, muss sich auch auf eine sichere Rente verlassen können. Private Vorsorge darf deshalb kein Spielfeld für komplizierte Produkte und hohe Gebühren sein, sondern muss für alle verständlich, transparent und bezahlbar bleiben. Gerade Menschen mit kleineren Einkommen und Familien brauchen eine Förderung, die wirklich bei ihnen ankommt. Die Reform des Altersvorsorge-Depots geht in die richtige Richtung – mit stärkerer Förderung und besseren Chancen für Familien und Selbstständige. Entscheidend wird jetzt sein, die Kosten konsequent zu begrenzen und dafür zu sorgen, dass die staatliche Standardlösung wirklich günstig wird. Denn gute Altersvorsorge ist kein Luxus für wenige, sondern ein Stück sozialer Gerechtigkeit für viele. Dafür steht sozialdemokratische Politik.