Warum Hiltrups Kleingartenanlagen viel mehr sind als gepflegte Gärten

Im ersten Beitrag zu diesem Thema ging es um die neue wissenschaftliche Erkenntnis, dass Kleingärten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung leisten. Doch was bedeutet das eigentlich für Hiltrup? Die Antwort überrascht: Unser Stadtbezirk verfügt über mehrere Kleingartenanlagen, die zusammen einen bedeutenden Teil des grünen Netzes bilden. Gemeinsam mit der Hohen Ward, dem Dortmund-Ems-Kanal, der Emmerbachaue und den zahlreichen Baumalleen prägen sie das Gesicht Hiltrups weit stärker, als vielen bewusst ist. Wer an einem Sommerabend durch eine Kleingartenanlage spaziert, erlebt den Unterschied sofort. Während sich Straßen und Parkplätze noch lange nach Sonnenuntergang aufheizen, ist die Luft zwischen Bäumen, Hecken und Gärten spürbar kühler. Das ist kein Zufall. Pflanzen verdunsten Wasser, beschatten den Boden und verhindern, dass sich große Flächen aufheizen. Gleichzeitig kann Regen dort versickern, anstatt sofort in die Kanalisation zu fließen. Gerade in Zeiten zunehmender Hitzewellen werden solche Flächen immer wertvoller. Sie sind natürliche Klimaanlagen – lautlos, emissionsfrei und dauerhaft.

Wer noch das Bild des klassischen „Schrebergartens“ vor Augen hat, wird heute vielerorts überrascht sein. Natürlich wachsen dort weiterhin Tomaten, Bohnen oder Erdbeeren. Doch moderne Kleingartenanlagen sind längst viel mehr:
  • große Baumbestände, die Schatten spenden,
  • blühende Stauden für Wildbienen und Schmetterlinge,
  • Hecken als Lebensraum für Vögel,
  • Kompostflächen, auf denen wertvoller Humus entsteht,
  • Regenfässer, die Trinkwasser sparen,
  • und zahlreiche naturnahe Bereiche, in denen sich Tiere ungestört entwickeln können.

Jede einzelne Parzelle mag klein erscheinen. Zusammen bilden sie jedoch ein großes zusammenhängendes Ökosystem. Besonders spannend ist der Blick auf die Karte. Hiltrup besitzt mehrere Kleingartenvereine, die sich über den Stadtbezirk verteilen. Hinzu kommen Waldflächen, Grünzüge entlang des Emmerbachs und der Dortmund-Ems-Kanal. Man könnte diese Flächen auch als ein gemeinsames „grünes Netz“ verstehen. Jede Anlage erfüllt dabei eine doppelte Aufgabe: Sie bietet Menschen Erholung und verbessert gleichzeitig das Klima im Stadtteil. Vielleicht sollten wir deshalb künftig nicht mehr nur von Kleingärten sprechen, denn sie sind längst ein wichtiger Teil unserer grünen Infrastruktur.

Ein weiterer Aspekt wird häufig übersehen. Kleingartenvereine sind nicht nur Orte des Gärtnerns. Sie bringen Menschen unterschiedlichster Generationen zusammen. Hier helfen Nachbarn einander beim Heckenschneiden, tauschen Saatgut oder geben ihr Wissen an jüngere Gartenfreunde weiter. In einer Zeit, in der häufig über Vereinssterben und schwindenden Zusammenhalt gesprochen wird, leisten sie einen stillen, aber wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Miteinander. Lange galten Kleingartenanlagen vor allem als Freizeitflächen. Heute wissen wir: Sie erfüllen zahlreiche Aufgaben gleichzeitig.
  • Sie kühlen unsere Stadt.
  • Sie speichern Wasser.
  • Sie fördern die Artenvielfalt.
  • Sie schaffen Begegnung.
  • und sie machen Hiltrup lebenswerter.

Wir sollten künftig nicht mehr nur auf die einzelnen Parzellen schauen, denn zusammen haben sie einen Wert, den wir lange Zeit unterschätzt haben.