Aktuelles

  • Es gibt Interviews, die liest man wegen der Schlagzeile. Und es gibt Interviews, bei denen eine ganz andere Botschaft hängen bleibt. So ging es mir beim lesen eines Interviews mit der neuen Bahnchefin Evelyn Palla, das man heute an verschiedenen Stellen lesen konnte.

    Natürlich ging es um verspätete Züge, Baustellen und unzufriedene Fahrgäste. Aber ein Satz hat mich aufhorchen lassen. Sie sprach von einer früheren „organisierten Verantwortungslosigkeit“. Ein hartes Urteil über den eigenen Konzern. Doch je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich: Das ist nicht nur ein Bahnproblem. Das ist eine Herausforderung vieler großer Organisationen – in Unternehmen, Verwaltungen, Schulen, Krankenhäusern und manchmal auch in der Politik. Zu oft wird Verantwortung zwischen verschiedenen Ebenen hin- und hergeschoben. Die einen entscheiden, die anderen sollen umsetzen. Wenn etwas nicht funktioniert, findet sich fast immer eine gute Erklärung. Am Ende fühlt sich niemand wirklich verantwortlich.

    Datum · Autor

  • Im ersten Beitrag zu diesem Thema ging es um die neue wissenschaftliche Erkenntnis, dass Kleingärten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung leisten. Doch was bedeutet das eigentlich für Hiltrup? Die Antwort überrascht: Unser Stadtbezirk verfügt über mehrere Kleingartenanlagen, die zusammen einen bedeutenden Teil des grünen Netzes bilden. Gemeinsam mit der Hohen Ward, dem Dortmund-Ems-Kanal, der Emmerbachaue und den zahlreichen Baumalleen prägen sie das Gesicht Hiltrups weit stärker, als vielen bewusst ist. Wer an einem Sommerabend durch eine Kleingartenanlage spaziert, erlebt den Unterschied sofort. Während sich Straßen und Parkplätze noch lange nach Sonnenuntergang aufheizen, ist die Luft zwischen Bäumen, Hecken und Gärten spürbar kühler. Das ist kein Zufall. Pflanzen verdunsten Wasser, beschatten den Boden und verhindern, dass sich große Flächen aufheizen. Gleichzeitig kann Regen dort versickern, anstatt sofort in die Kanalisation zu fließen. Gerade in Zeiten zunehmender Hitzewellen werden solche Flächen immer wertvoller. Sie sind natürliche Klimaanlagen – lautlos, emissionsfrei und dauerhaft.

    Wer noch das Bild des klassischen „Schrebergartens“ vor Augen hat, wird heute vielerorts überrascht sein. Natürlich wachsen dort weiterhin Tomaten, Bohnen oder Erdbeeren. Doch moderne Kleingartenanlagen sind längst viel mehr:
    • große Baumbestände, die Schatten spenden,
    • blühende Stauden für Wildbienen und Schmetterlinge,
    • Hecken als Lebensraum für Vögel,
    • Kompostflächen, auf denen wertvoller Humus entsteht,
    • Regenfässer, die Trinkwasser sparen,
    • und zahlreiche naturnahe Bereiche, in denen sich Tiere ungestört entwickeln können.

    Datum · Autor

  • Als ich 1981 meine Krankenpflegeausbildung im UKM begann, war eine Krebsdiagnose oft ein Satz, der das ganze Leben veränderte. Viele verbanden ihn fast automatisch mit Hoffnungslosigkeit. Die medizinischen Möglichkeiten waren begrenzt, viele Therapien sehr belastend und die Heilungschancen deutlich schlechter als heute. Natürlich löst eine Krebsdiagnose auch heute Angst aus. Das wird sich wohl nie ändern. Aber eines hat sich grundlegend verändert:
    Früherkennung, präzisere Diagnostik, schonendere Operationen, zielgerichtete Medikamente, Immuntherapien und hoch spezialisierte Tumorzentren haben die Behandlung vieler Krebsarten grundlegend verändert. Bei zahlreichen Erkrankungen leben Menschen heute deutlich länger – und oft mit einer wesentlich besseren Lebensqualität als noch vor wenigen Jahrzehnten. Forschung und klinische Versorgung arbeiten dabei heute eng zusammen. Am Westdeutschen Tumorzentrum Münster (WTZ) werden neue wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in die Behandlung der Patientinnen und Patienten übertragen.

    Doch dieser Beitrag handelt nicht nur vom medizinischen Fortschritt, er behandelt die Möglichkeiten, die wir quasi vor der Haustür haben. Viele Münsteraner finden es ganz selbstverständlich, worauf viele andere Regionen neidisch schauen: Innerhalb weniger Kilometer verfügt unsere Stadt über eine außergewöhnlich dichte medizinische Spitzenversorgung. Mit dem Universitätsklinikum Münster, dem St. Franziskus-Hospital mit seinem starken onkologischen Schwerpunkt und seinem zweiten Standort Herz-Jesu-Krankenhaus Hiltrup sowie den Alexianer-Kliniken mit dem Clemenshospital und der Raphaelsklinik stehen gleich mehrere leistungsfähige Häuser zur Verfügung. Sie arbeiten dort zusammen, wo Zusammenarbeit sinnvoll ist – etwa im gemeinsamen Westfälischen Lungenkrebszentrum von UKM und Franziskus-Hospital – und stehen zugleich in einem gesunden Wettbewerb um Qualität, Spezialisierung und Innovation. Davon profitieren am Ende vor allem die Patientinnen und Patienten. Hinzu kommt eine Einrichtung mit weit überregionalem Ruf: die Fachklinik Hornheide. Gerade bei Hauttumoren und plastisch-rekonstruktiver Chirurgie suchen Menschen aus Norddeutschland gezielt den Weg nach Münster. Ebenso wichtig ist das dichte Netz engagierter Hausärztinnen und Hausärzte sowie Facharztpraxen. Sie sind häufig die ersten, die Veränderungen erkennen, Diagnosen einleiten und ihre Patientinnen und Patienten durch oft schwierige Behandlungswege begleiten. Hochleistungsmedizin beginnt eben nicht erst im Operationssaal, sondern oft in einer guten Hausarztpraxis.

    Datum · Autor

  • Fast 60 Prozent der Beschäftigten sind überzeugt, dass sich Leistung lohnt. 44 Prozent sind sogar bereit, mehr zu leisten, als ihr Arbeitsvertrag verlangt. Das ist alles andere als eine Gesellschaft, die sich vor Arbeit drückt. Gleichzeitig sagen viele Menschen: Freizeit, Familie und Gesundheit sind ihnen wichtiger geworden. Das ist kein Zeichen von Faulheit, sondern Ausdruck eines gewandelten Lebensverständnisses. Wer nach acht oder neun Stunden Arbeit noch Zeit für Kinder, Ehrenamt, Sport oder die Pflege von Angehörigen haben möchte, verweigert sich nicht der Leistung. Er setzt lediglich andere Prioritäten.

    Diese Umfrage widerlegt ein Stück weit die Erzählung, Deutschland habe ein generelles Leistungsproblem. Wenn fast 60 Prozent an den Wert von Leistung glauben und fast die Hälfte bereit ist, mehr zu leisten als verlangt, dann liegt das eigentliche Problem offenbar weniger bei den Beschäftigten als bei den Bedingungen, unter denen sie arbeiten. Dort sollten Politik und Wirtschaft ansetzen – nicht bei pauschalen Vorwürfen gegenüber den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Dabei sollten wir uns von einem Missverständnis verabschieden: Leistung ist keine Einbahnstraße. Beschäftigte schulden ihrem Arbeitgeber Einsatz, Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Arbeitgeber wiederum schulden ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gute Arbeitsbedingungen, Vertrauen, Beteiligung, Entwicklungsmöglichkeiten und eine faire Bezahlung. Wer Leistung erwartet, muss auch Leistung ermöglichen. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels können wir es uns nicht leisten, auf das Wissen, die Erfahrungen und die Ideen der Beschäftigten zu verzichten. Wer seine Mitarbeiter ernst nimmt, ihnen Verantwortung überträgt und ihre Vorschläge aufgreift, gewinnt engagierte Menschen, bessere Abläufe und mehr Innovation. Das ist nicht nur gut für die Beschäftigten, sondern auch für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen.

    Datum · Autor

  • Wir sind jetzt in der Singularität. Das ist der Moment

    Mit diesem Satz sorgte Sam Altman, Vorstandsvorsitzender des amerikanischen KI-Unternehmens OpenAI, vor wenigen Tagen weltweit für Aufmerksamkeit. Viele Menschen dürften die Meldung überlesen haben. Andere werden sich gefragt haben: Was soll das überhaupt bedeuten?

    Der Begriff stammt ursprünglich aus der Informatik und Zukunftsforschung. Gemeint ist der Zeitpunkt, an dem sich technischer Fortschritt immer schneller selbst beschleunigt. Neue KI-Systeme helfen dabei, noch leistungsfähigere KI-Systeme zu entwickeln. Der Fortschritt verläuft dann nicht mehr in Jahrzehnten oder Jahren, sondern möglicherweise in Monaten oder sogar Wochen. Ob wir diesen Punkt tatsächlich schon erreicht haben, darüber wird unter Wissenschaftlern durchaus gestritten. Viele Forscher an Universitäten sind vorsichtiger als die Entwickler in den großen KI-Unternehmen. Unstrittig ist jedoch: Das Entwicklungstempo hat sich dramatisch erhöht. Vor drei Jahren konnte KI einfache Texte formulieren. Heute schreibt sie Gutachten, entwickelt Software, analysiert medizinische Bilder, erstellt Filme, komponiert Musik, unterstützt wissenschaftliche Forschung und hilft Unternehmen dabei, komplexe Entscheidungen vorzubereiten.

    Datum · Autor