Aktuelles

  • Ich erinnere mich noch gut an diesen Spaziergang vor neun Jahren. 2017 waren die Skulptur Projekte in Münster. Wie viele andere Münsteraner war ich mit dem Fahrrad unterwegs, immer auf der Suche nach den manchmal spektakulären, manchmal rätselhaften Kunstwerken, die plötzlich an Orten auftauchten, an denen man sie niemals erwartet hätte. Eines dieser Werke führte mich in den Sternbusch.

    Und dann stand da plötzlich ein Haus im Wald. Kein richtiges Haus. Eher ein Gerippe, eine stilisierte Konstruktion, die gleichzeitig deutlich und fast durchsichtig wirkte. Ein Haus, das sich mit seiner Umgebung verband und den Wald spiegelte. Es war das „Fourth House of the House Project since 1974“ des isländischen Künstlers Hreinn Friðfinnsson. Für mich war das genau das, was die Skulptur Projekte so besonders macht: Man musste sich auf den Weg machen. Man musste Münster entdecken. Und plötzlich fand man Kunst an einem Ort, an dem man sie nie erwartet hätte.

    Und 2017 gab es tatsächlich noch ein zweites Projekt in Berg Fidel: In einer städtischen Kindertageseinrichtung wurden sieben „Date Paintings“ von On Kawara gezeigt. Das wusste ich damals nicht. Und ich vermute, es wussten viele andere Münsteraner ebenfalls nicht. Das Projekt war bewusst den Kindern vorbehalten. Es war also gar nicht als öffentliches Kunstwerk angelegt. Das macht einen Unterschied deutlich: Das Haus im Sternbusch konnte man entdecken. Das Projekt in der Kita musste man kennen.

    Und vielleicht liegt darin eine wichtige Lehre für die kommenden Skulptur Projekte 2027, denn Berg Fidel kommt wieder! Die nächsten Skulptur Projekte werden vom 13. Juni bis zum 3. Oktober 2027 stattfinden. Zum 50. Jubiläum der ersten Ausgabe von 1977 soll die Ausstellung ausdrücklich über die Innenstadt hinausgehen. Und spannend, diesmal wird Berg Fidel sogar ausdrücklich als einer der Schwerpunkte genannt.

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  • Manchmal lohnt sich ein Blick über den eigenen Tellerrand. In Dortmund ist gerade ein Projekt gestartet, das mehr ist als ein neues Wohnheim: Dort entsteht ein Azubi-Campus für das Handwerk. 112 Wohnungen sollen gebaut werden, die maximal 350 Euro warm kosten. In unmittelbarer Nähe liegen Ausbildungsbetriebe sowie die Bildungsstätten der Handwerkskammer und der Kreishandwerkerschaft. Gemeinschaftsflächen und eine gute ÖPNV-Anbindung gehören ebenfalls zum Konzept. Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt das Projekt mit mehr als 13,5 Millionen Euro. Die Landesregierung sieht darin ausdrücklich ein Modell mit Vorbildcharakter.

    Die Idee dahinter ist eigentlich ganz einfach: Wer Fachkräfte gewinnen will, muss auch dafür sorgen, dass junge Menschen sich ihre Ausbildung leisten können. Denn die Wohnungsfrage wird für viele Auszubildende zunehmend zu einem Problem. Wer während seiner Ausbildung nur rund 900 oder 1.000 Euro netto zur Verfügung hat, kann sich auf einem angespannten Wohnungsmarkt kaum eine normale Wohnung leisten. In Dortmund erzählt ein Auszubildender im WDR-Beitrag genau davon: Eine eigene Wohnung wäre sein Wunsch – aber bei seinem Ausbildungsgehalt ist sie kaum bezahlbar. Und Münster?

    Münster kennt dieses Problem ebenfalls. Und eigentlich haben wir sogar gute Voraussetzungen, etwas dagegen zu tun. An der Steinfurter Straße ist mit dem Münster Modell Quartier 1 ein neues Stadtquartier geplant. Auf rund 50 Hektar sollen etwa 2.000 Wohnungen entstehen – und ausdrücklich auch rund 1.000 Apartments für Auszubildende und Studierende. Gleichzeitig sollen dort Wohnen, Arbeiten, Technologie und Wissenschaft miteinander verbunden werden. Auch auf dem ehemaligen Eissporthallenareal an der Steinfurter Straße geht Münster bereits in diese Richtung: In einem geplanten fünfgeschossigen Gebäude sollen 124 öffentlich geförderte Apartments für Auszubildende und Studierende entstehen. Der Rat hat den entsprechenden Bebauungsplan im Mai 2026 beschlossen. Münster muss also nicht erst entdecken, dass Auszubildende bezahlbaren Wohnraum brauchen.

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  • Jede Generation hinterlässt der nächsten nicht nur eine Welt, sondern auch ihre Denkmäler. Gebäude, Plätze, Gärten, Industrieanlagen, Brücken, Mahnmale – sie erzählen Geschichten davon, was Menschen vor uns wichtig fanden. Sie erinnern an Erfolge und Katastrophen, an Alltag und Ausnahmezustände, an technische Leistungen, an politische Macht, an Krieg und Frieden. Und mit jedem Jahr werden es mehr.

    Ein aktueller Beitrag von n-tv über die Zukunft des Denkmalschutzes im Klimawandel hat mich deshalb an einen Gedanken erinnert, der mich schon länger beschäftigt: Denkmalschutz kann auf Dauer nicht einfach bedeuten, immer mehr zu bewahren. Denn irgendwann stellt sich zwangsläufig die Frage: Was wollen und können wir uns leisten – kulturell, gesellschaftlich, ökologisch und finanziell?

    Was heute ein Denkmal ist, war gestern zunächst einmal Gegenwart. Die Menschen, die Gebäude errichteten, Plätze gestalteten oder technische Anlagen bauten, dachten vermutlich selten daran, dass ihre Werke hundert oder zweihundert Jahre später einmal unter Schutz gestellt werden könnten. Und auch wir schaffen ständig Dinge, die irgendwann Geschichte sein werden. Unsere Schulen, Rathäuser, Wohnsiedlungen, Kirchen, Industriegebäude, Brücken und Verkehrsanlagen. Vielleicht sogar manche Einkaufszentren oder Hochhäuser. Was uns heute selbstverständlich erscheint, kann für kommende Generationen ein Zeugnis unserer Zeit werden. Damit wächst unser kulturelles Erbe zwangsläufig.

    Aber ein Erbe ist nicht nur ein Schatz. Ein Erbe kann auch eine Verpflichtung sein. Und diese Verpflichtungen müssen für die folgenden Generationen tragbar bleiben. Besonders interessant finde ich deshalb den Gedanken der Denkmalpflegerin Ingrid Scheurmann, den n-tv in seinem aktuellen Beitrag aufgreift: Ein Denkmal sei nichts Statisches. Wir müssten uns nicht nur fragen, was wir aus der Vergangenheit erhalten wollen, sondern auch, wie wir diese Dinge in eine Zukunft führen können, die über die nächsten Generationen hinausreicht. Das ist ein entscheidender Perspektivwechsel. Denn manchmal behandeln wir Denkmäler so, als müsse ein bestimmter Zustand für alle Ewigkeit konserviert werden. Aber Geschichte hat niemals so funktioniert.

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  • Es gibt politische Nachrichten, die einen nicht so schnell wieder loslassen. Nein, ich meine gerade nicht den Wahlkampf in Sachsen-Anahlt. Die aktuelle Entwicklung in Frankreich kommt dazu. Acht Monate vor der französischen Präsidentschaftswahl zeichnet sich ein Szenario ab, das mir noch mehr Sorgen macht: Marine Le Pen vom rechtsnationalen Rassemblement National und Jean-Luc Mélenchon vom radikalen linken Lager führen in den Umfragen. Gleichzeitig nehmen sich die gemäßigten Kandidaten gegenseitig die Stimmen weg.

    Das ist zunächst eine französische Angelegenheit. Aber eben nicht nur. Denn Frankreich ist nicht irgendein Land in Europa. Frankreich ist Gründungsmitglied der Europäischen Union, Atommacht, ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat und gemeinsam mit Deutschland seit Jahrzehnten eine der tragenden Säulen der europäischen Einigung. Wenn Frankreich politisch ins Wanken gerät, bleibt das deshalb nicht auf Frankreich beschränkt.

    Die Welt ist kompliziert geworden. Die französische Staatsverschuldung liegt bei rund 118 Prozent der Wirtschaftsleistung. Der Sozialstaat steht unter enormem Finanzierungsdruck, die Arbeitslosigkeit steigt wieder, die Wirtschaft schwächelt. Gleichzeitig erleben viele Menschen steigende Preise und haben das Gefühl, dass ihr Einkommen nicht mehr mit den Lebenshaltungskosten Schritt hält. Das sind reale Probleme. Und dann kommen die einfachen Antworten.

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  • Die aktuelle Nachricht ist zunächst einmal ein Schock: Für das Jahr 2027 hatte Münster im Haushalt rund 95 Millionen Euro Schlüsselzuweisungen des Landes NRW eingeplant. Nach der aktuellen Arbeitskreisrechnung des Landes könnten davon gerade einmal rund 2,9 Millionen Euro übrig bleiben. Das wären rund 92 Millionen Euro weniger für Münsters Haushalt als geplant.

    Für eine Stadt, die ohnehin unter erheblichem finanziellen Druck steht, ist das keine Kleinigkeit. Es wäre aber falsch, daraus vorschnell die Geschichte zu machen: „Münster verleirt Einwohner, hat schlecht gewirtschaftet und bekommt jetzt die Quittung.“ So einfach ist es nicht.

    Zwar ist die Zahl der in Münster gemeldeten Menschen 2025 erstmals seit vielen Jahren leicht zurückgegangen: um 1.987 auf 320.728 Personen, ein Rückgang von 0,6 Prozent. Das ist bemerkenswert – aber auch nur ein Teil der Gesamtsituation. Denn gleichzeitig wächst Münster als Arbeits-, Bildungs- und Oberzentrum weiter. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort Münster ist von rund 160.000 im Jahr 2015 auf inzwischen knapp 196.000 gestiegen. Auch die Zahl der Menschen, die täglich nach Münster zur Arbeit kommen, nimmt zu. Schon zwischen 2021 und 2024 stieg die Zahl der Einpendler von gut 108.000 auf fast 116.000. Das Pendlersaldo lag 2024 bei knapp 70.000. Das ist der paradoxe Teil der Entwicklung: Münster hat vielleicht nicht mehr Einwohner – aber mehr Menschen arbeiten, studieren, einkaufen, sich behandeln lassen. Sie alle nutzen die Infrastruktur der Stadt. Der angespannte Wohnungsmarkt trägt dazu bei. Gerade Studierende finden immer schwerer bezahlbaren Wohnraum in Münster und müssen teilweise auf das Umland ausweichen. Und auch Familien stehen vor der Frage, ob sie sich das Wohnen in Münster noch leisten können. Das bedeutet: Ein Teil des Wachstums findet nicht mehr innerhalb der Stadtgrenzen statt, sondern im umliegenden Münsterland.

    Die Stadt wächst funktional, das ist für die weitere Stadtentwicklung von erheblicher Bedeutung. Die Stadt Münster geht deshalb weiterhin davon aus, dass die Einwohnerzahl langfristig wieder steigen wird. Die aktuelle Bevölkerungsprognose erwartet bis 2035 ein Plus von rund 15.000 Menschen beziehungsweise 4,7 Prozent. Aber selbst wenn diese Prognose nicht vollständig eintreffen sollte, bleibt die zentrale Herausforderung bestehen: Münster ist das Oberzentrum einer wachsenden Region. Wer in Greven, Telgte, Senden, Drensteinfurt oder Warendorf wohnt, nutzt möglicherweise trotzdem Münsters Schulen, Hochschulen, Arbeitsplätze, Krankenhäuser, Kulturangebote, Verwaltung, Einkaufsmöglichkeiten und Verkehrsinfrastruktur. Das gilt insbesondere für den Arbeitsmarkt.

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