Drei Millionen Arbeitslose – und wir diskutieren zu viel über Billigjobs

Mehr als drei Millionen Menschen sind in Deutschland wieder arbeitslos. Monat für Monat pendelt die Zahl um diese Marke. Man kann das als konjunkturelle Delle abtun. Man kann auf bessere Zeiten hoffen. Oder man kann anfangen, endlich über den strukturellen Wandel unserer Arbeitswelt zu sprechen. Denn während wir noch über die aktuellen Arbeitsmarktdaten diskutieren, verändert sich im Hintergrund bereits etwas Grundlegendes: Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Robotik greifen immer stärker in den Arbeitsmarkt ein.

Das wurde zwar schon oft vorhergesagt – und häufig trat es so nicht ein. Frühere technologische Umbrüche haben am Ende sogar mehr Arbeitsplätze geschaffen, als sie vernichtet haben. Doch diesmal ist vieles anders!

Die einfachen Tätigkeiten verschwinden entgültig

Viele Tätigkeiten, die bisher Menschen erledigt haben, lassen sich sehr bald vollständig automatisieren. In Logistikzentren übernehmen Roboter das Sortieren, Transportieren und Kommissionieren. In Büros erledigen Algorithmen Routinetätigkeiten. Und selbst im Dienstleistungsbereich übernehmen digitale Systeme immer mehr Aufgaben. Gerade dort, wo heute noch viele Menschen beschäftigt sind – bei einfachen oder angelernten Tätigkeiten – wird der Druck schon bald besonders groß werden.

Der Irrweg der Billigjobs

Lange Zeit galt, neue Dienstleistungsjobs werden verlorene Arbeitsplätze ersetzen. Ein heutiges Beispiel sind Lieferdienste aller Art: Pizza, Lenbensmittel, Getränke, Medikamente und Otto/Amazon. Noch fahren Hunderttausende Menschen in Deutschland als Kurier- und Lieferfahrer durch unsere Städte. Vielfach schlecht bezahlt, häufig ohne langfristige Perspektive. Doch wir dürfen nicht weiterhin darauf bauen, dass wir Arbeitsplätze im Handel oder in der Industrie durch prekäre Plattformjobs ersetzen. Und für die Zukunft gilt, noch einmal können wir den stationären Handel nicht einfach durch Heerscharen von Lieferfahrern ersetzen. Diese Entwicklung hat längst stattgefunden – und ihre Grenzen sind sichtbar.

Es ist Zeit für einen Mentalitätswechsel

Deutschland muss endlich umdenken. Der Arbeitsmarkt der Zukunft wird nicht durch möglichst viele einfache Tätigkeiten geprägt sein. Er wird wieder stärker geprägt sein durch Qualifikation, Ausbildung und Fachwissen. Gerade im Handwerk wird das besonders deutlich. Für die Energiewende, den Wohnungsbau, die Sanierung von Gebäuden oder den Ausbau unserer Infrastruktur brauchen wir dauerhaft:

  • Elektriker
  • Installateure
  • Mechatroniker
  • Bauhandwerker aller Gewerke
  • Fachkräfte in vielen technischen Berufen

Diese Arbeit lässt sich nicht einfach durch Software ersetzen.

Gute Ausbildung statt prekärer Beschäftigung

Deshalb lautet die entscheidende arbeitsmarktpolitische Aufgabe unserer Zeit: Mehr Ausbildung. Mehr Weiterbildung. Mehr Qualifikation.

Wer heute junge Menschen in schlecht bezahlte und unsicheren Jobs akzeptiert, handelt kurzsichtig. Wer in Ausbildung investiert, stärkt die Zukunft unseres Landes.

Für uns als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ist klar: Die Transformation unserer Wirtschaft darf nicht zu mehr Unsicherheit führen – sondern zu besserer Arbeit.

Drei Millionen Arbeitslose sind kein Naturgesetz. Sie sind ein Auftrag.

Ein Auftrag, unsere Wirtschaft so zu gestalten, dass sie innovativ, sozial und qualifiziert bleibt. Und das beginnt mit einer einfachen Erkenntnis:
Die Zukunft gehört nicht den Billigjobs – sie gehört der guten Arbeit.