Ein Führerschein ist teuer – aber das ist kein deutscher Sonderfall

Wer in Deutschland den Autoführerschein machen will, muss inzwischen oft mehrere tausend Euro einplanen. Das ist für viele junge Menschen eine erhebliche Hürde, besonders dort, wo Bus und Bahn keine verlässliche Alternative sind. Doch der Blick in europäische Nachbarländer zeigt: Deutschland ist mit seinen Preisen nicht unbedingt ein Ausreißer. Die Kosten für Fahrschule und Prüfungen sind in Deutschland zuletzt stärker gestiegen als die allgemeine Inflation. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts verteuerten sich Fahrschulleistungen und Prüfungen 2024 gegenüber dem Vorjahr um 5,8 Prozent. Die allgemeinen Verbraucherpreise stiegen im selben Zeitraum deutlich langsamer. Als Gründe gelten höhere Personal-, Fahrzeug- und Kraftstoffkosten. Besonders teuer wird es, wenn viele zusätzliche Übungsstunden nötig werden oder Prüfungen wiederholt werden müssen.

Eine pauschale Summe gibt es allerdings nicht. Je nach Region, Fahrschule und individuellem Lernfortschritt liegen die Gesamtkosten für Klasse B meist zwischen 2.500 und 3.500 Euro, in Einzelfällen deutlich darüber. In Städten sind mehr Fahrstunden häufig unvermeidlich: dichter Verkehr, Radverkehr, komplizierte Kreuzungen und Parksituationen erhöhen den Übungsbedarf. Auf dem Land ist die Ausbildung zwar nicht automatisch günstig, oft aber weniger zeitaufwendig. Trotzdem ist die verbreitete Aussage, der deutsche Führerschein sei im europäischen Vergleich besonders teuer, nur die halbe Wahrheit. In den Niederlanden werden derzeit häufig etwa 2.450 bis 3.800 Euro fällig. Dort fallen im Schnitt rund 41 Fahrstunden an. Damit liegt das Land ungefähr auf deutschem Niveau. In Dänemark kostet der Führerschein typischerweise umgerechnet rund 2.400 bis 3.350 Euro. Das Land schreibt ein umfangreiches Ausbildungsprogramm vor: Theorieunterricht, Fahrten im Straßenverkehr, Übungen auf einem abgesperrten Gelände und ein Kurs für das Fahren auf glatter Fahrbahn gehören dazu. Zusätzliche Stunden und Wiederholungsprüfungen können die Rechnung deutlich erhöhen. Anders sieht es in Schweden, Finnland und der Schweiz aus. Dort können Fahrschülerinnen und Fahrschüler einen größeren Teil der Praxis unter privater Begleitung absolvieren. In Schweden liegen die Gesamtkosten deshalb oft zwischen umgerechnet 1.350 und 2.700 Euro. In Finnland ist ein Führerschein mit Fahrschule zwar ebenfalls vierstellig; wer mit einer privaten Begleitperson übt, kann die Kosten aber auf etwa 700 bis 1.000 Euro begrenzen. Verpflichtend bleiben dort unter anderem Theorie- und Risikotraining. Die Schweiz ist dagegen eher teurer als Deutschland: Für den Führerausweis der Kategorie B werden im Schnitt etwa 3.500 bis 3.600 Franken fällig, also ungefähr 3.800 bis 3.950 Euro. Auch dort kann private Fahrpraxis die Zahl der bezahlten Fahrstunden senken. Die hohen Stundenpreise bleiben jedoch ein wesentlicher Kostenfaktor.

Ein Führerschein-Zuschuss kann beiden Seiten helfen

Eine praktische Lösung liegt nahe: Ausbildungsbetriebe könnten sich stärker an den Kosten beteiligen. Einzelne Unternehmen tun das bereits. Für viele Handwerks-, Pflege-, Logistik- oder Serviceberufe ist der Führerschein keine private Komfortfrage, sondern eine Voraussetzung dafür, Kundinnen und Kunden zu erreichen, Material zu transportieren oder später einen Firmenwagen zu nutzen. Davon profitieren beide Seiten. Der oder die Auszubildende gewinnt Mobilität und verbessert die eigenen beruflichen Chancen. Der Betrieb gewinnt eine flexibler einsetzbare Fachkraft – etwa für Termine beim Kunden, Fahrten zur Baustelle oder Einsätze in ländlichen Regionen. Ein Zuschuss sollte dabei transparent geregelt werden, zum Beispiel mit einer Bindungsfrist oder einer anteiligen Rückzahlung, falls das Ausbildungsverhältnis sehr früh beendet wird.

Auch die Kammern könnten eine Rolle spielen. Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern könnten mit regionalen Fahrschulen Rahmenvereinbarungen aushandeln: feste, nachvollziehbare Preise für Azubis, Paketangebote ohne versteckte Zusatzkosten oder vergünstigte Theorie- und Prüfungsvorbereitung. Das würde Fahrschulen Planungssicherheit geben und jungen Menschen den Zugang zur Ausbildung erleichtern.

Der Vergleich mit Studierenden zeigt zudem ein strukturelles Problem: Viele von ihnen erhalten über das Semesterticket einen vergleichsweise günstigen Zugang zum öffentlichen Nahverkehr. Für Azubis im Handwerk oder in anderen mobilen Berufen reicht ein Ticket allein jedoch oft nicht aus. Wer morgens zum Betrieb, zur Baustelle oder zum Kunden muss, braucht gerade außerhalb der Städte häufig einen Führerschein. Das ist kein Argument gegen günstige Tickets für Studierende. Es ist ein Argument dafür, auch Auszubildenden dort gezielt zu helfen, wo Mobilität beruflich notwendig ist. Ein Führerschein-Zuschuss wäre dann keine bloße Förderung des Autofahrens, sondern eine Investition in Ausbildung, Fachkräftesicherung und gleichwertige Chancen zwischen Stadt und Land.