Ein Vorschlag zum Rockwool-Areal in Hiltrup: Münster sollte dieses Filetstück nicht länger liegen lassen!

Vor zehn Jahren sorgten spektakuläre Pläne für den 99 Meter hohen Rockwool-Schornstein in Münster-Hiltrup für Schlagzeilen. Die Künstler Wolfgang Winter und Berthold Hörbelt wollten den stillgelegten Industrieschlot in ein gigantisches Kunstwerk verwandeln – mit Edelstahlverkleidung und einem goldenen Bogenschützen an der Spitze. Münsters höchste Skulptur sollte entstehen.

Bekanntlich kam alles anders. Die Kunstidee verschwand schnell wieder in der Schublade. Geblieben ist der häßliche Turm. Und mit ihm eine viel wichtigere Frage: Warum passiert auf diesem Gelände eigentlich seit Jahrzehnten so wenig?

Denn das ehemalige Rockwool-Areal ist kein Randgrundstück irgendwo im Außenbereich. Im Gegenteil: Es liegt total zentral zwischen Kanal und Bahnhof Hiltrup, hervorragend angebunden an Bahn, Straße und Wasser. Ein Standort, der zum Beispiel für Mitarbeitende, Auszubildende und Studierende ideal erreichbar wäre. Kurz gesagt: ein echtes Filetstück für die Stadtentwicklung. Trotzdem hat die Stadt Münster bislang scheinbar kaum ernsthaft versucht, dieses Gelände strategisch zu entwickeln. Weder wurde über einen Ankauf gesprochen noch über eine gezielte Ansiedlung neuer Nutzungen. Während andere Städte Industriebrachen aktiv in Zukunftsorte verwandeln, bleibt in Hiltrup seit Jahren alles beim Alten.

Gefragt sind Ideen, die genau hier anknüpfen könnten. Dazu ein Vorschlag: Der SPD-Oberbürgermeisterkandidat Stefan Brinktrine hat im Kommunalwahlkampf mehrfach einen zentralen Berufsschulcampus für Münster vorgeschlagen. Ein solcher Campus würde moderne Ausbildungswerkstätten, Lernorte und Kooperationen mit Betrieben bündeln – und damit der beruflichen Bildung endlich den Stellenwert geben, den sie verdient. Ein solches Projekt braucht Fläche und eine gute Verkehrsanbindung. Beides wäre in Hiltrup vorhanden.

Dass die Verbindung von Industriegeschichte und moderner Bildung hervorragend funktionieren kann, zeigt ein nahes Beispiel aus den Niederlanden. In Hengelo wurde eine über hundert Jahre alte Gießereihalle des Maschinenbauunternehmens Stork aus dem Jahr 1902 zu einem modernen Bildungsstandort umgebaut. Heute befindet sich dort eine große Lehrstätte des ROC van Twente an der Adresse Gieterij 200 – direkt am Bahnhof.

Die historische Industriehalle blieb erhalten, wurde aber mit modernen Gebäuden ergänzt. Entstanden ist ein lebendiger Campus, der Geschichte bewahrt und gleichzeitig Zukunft ermöglicht. Ein besonderer Ort zum Lernen und Arbeiten – ein echter Arbeits-Ort im besten Sinne des Wortes.

Warum sollte das nicht auch in Hiltrup möglich sein?

Das Rockwool-Gelände bietet die Chance für einen modernen Campus der beruflichen Bildung: Werkstätten, Schulräume, Weiterbildungseinrichtungen, Kooperationen mit Handwerk und Industrie – vielleicht ergänzt durch Start-ups oder studentisches Wohnen. Ein solcher Ort könnte weit über Hiltrup hinaus wirken. Doch dafür braucht es politischen Willen. Die Stadt muss endlich anfangen, dieses Areal strategisch zu denken: Gespräche mit Eigentümern führen, Konversionsmittel prüfen, Entwicklungsoptionen ausloten – und auch die Zukunft des alten Schlots nüchtern bewerten.

Eines ist klar: Stillstand ist keine Stadtentwicklung.

Wenn Münster seine Flächen klug nutzen will und wenn berufliche Bildung wirklich gestärkt werden soll, dann gehört das Rockwool-Areal ganz oben auf die politische Agenda.

Der alte Schornstein steht für die industrielle Vergangenheit. Hier könnte ein Campus entstehen, der für Münsters Zukunft steht.