Jetzt liegen die Vorschläge auf dem Tisch

Reformbedarf in der gesetzlichen Krankenversicherung: Vorschläge liegen auf dem Tisch

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) steht vor großen finanziellen Herausforderungen. Eine von der Bundesregierung eingesetzte Finanzkommission hat nun erste Vorschläge vorgelegt, wie das System stabilisiert werden könnte. Insgesamt umfasst der Bericht mehrere Dutzend Maßnahmen, mit denen die wachsende Finanzierungslücke der Krankenkassen geschlossen werden soll. Der Hintergrund ist ernst: Schon in den kommenden Jahren drohen der gesetzlichen Krankenversicherung milliardenschwere Defizite. Für das Jahr 2027 wird eine Finanzierungslücke im zweistelligen Milliardenbereich erwartet. Ohne Gegenmaßnahmen könnte sie bis zum Ende des Jahrzehnts deutlich weiter anwachsen. Gründe dafür sind unter anderem steigende Gesundheitsausgaben, teure neue Medikamente, höhere Personalkosten im Gesundheitswesen und die demografische Entwicklung.

Die Kommission hat deshalb eine Vielzahl möglicher Maßnahmen zusammengestellt. Ziel ist es, sowohl die Einnahmen zu stärken als auch das Ausgabenwachstum zu begrenzen.

Vorgeschlagen wird:

  • eine Begrenzung des Kostenanstiegs bei ärztlichen Leistungen und in Krankenhäusern
  • eine Anpassung von Patientenzuzahlungen, die seit Jahren kaum verändert wurden
  • höhere Abgaben auf gesundheitsschädliche Produkte wie Tabak oder Alkohol
  • eine mögliche Abgabe auf stark zuckerhaltige Getränke
  • eine stärkere Finanzierung versicherungsfremder Leistungen aus Steuermitteln

Auch strukturelle Fragen werden aufgeworfen. So wird etwa diskutiert, ob bestimmte Leistungen, die bisher über die Krankenkassen finanziert werden, künftig stärker aus dem Bundeshaushalt bezahlt werden sollten. Die Experten verstehen ihren Bericht ausdrücklich als Vorschlagskatalog, aus dem die Politik nun auswählen muss. Es ist nicht davon auszugehen, dass alle Vorschläge umgesetzt werden. Vielmehr geht es darum, einen politischen Weg zu finden, der sowohl die Finanzstabilität der Krankenversicherung sichert als auch die Versorgung der Patientinnen und Patienten gewährleistet.

Klar ist: Ohne Reformen drohen steigende Beiträge für Beschäftigte und Arbeitgeber, aber Gesundheit darf kein Luxus werden

Für die Sozialdemokratie ist dabei ein Grundsatz entscheidend: Unser Gesundheitssystem muss solidarisch bleiben. Die gesetzliche Krankenversicherung lebt davon, dass Starke für Schwächere einstehen und dass medizinische Versorgung nicht vom Geldbeutel abhängt. Reformen dürfen deshalb nicht allein über höhere Belastungen der Versicherten erfolgen. Ebenso notwendig sind strukturelle Verbesserungen, eine faire Finanzierung und eine kluge Präventionspolitik.

Denn eines sollte klar sein: Gesundheit ist ein öffentliches Gut – und kein Geschäftsmodell. Ein starkes solidarisches Gesundheitssystem bleibt eine zentrale Aufgabe sozialdemokratischer Politik.