Münster hat einen Hitzeaktionsplan. Aber ist Münster deshalb schon hitzeresilient?

Ein Praxischeck des WDR zeigt: Münster hat beim Hitzeschutz einiges auf den Weg gebracht. Doch wer einmal die Innenstadt verlässt und vor die eigene Haustür schaut, erkennt schnell: Von einer wirklich hitzeresilienten Stadt sind wir noch ein gutes Stück entfernt.

Münster hat einen Hitzeaktionsplan. Das ist zunächst einmal eine gute Nachricht. Als einzige Kommune im Münsterland hat die Stadt einen konkreten Plan gegen die gesundheitlichen Folgen zunehmender Hitze. Der Plan wurde 2024 veröffentlicht und umfasst zwölf Maßnahmen. Auch der aktuelle Praxischeck des WDR fällt keineswegs vernichtend aus. Der „Coole Stadtplan für heiße Tage“ funktioniert, kühle Orte und Refill-Stationen lassen sich finden. Es gibt also durchaus Dinge, die bereits funktionieren. Aber ebenso deutlich wird: Manche Maßnahmen existieren bisher nur auf dem Papier oder sind noch nicht vollständig umgesetzt. Hitze-Infomobil, Hitzetelefon und Hitzepatenschaften für ältere Menschen fehlen beispielsweise noch.

Das führt zu einer interessanten Frage: Münster hat einen Hitzeaktionsplan. Aber ist Münster deshalb schon hitzeresilient?
Ich vermute: Nein. Dafür muss man nicht einmal in die Innenstadt fahren. Ein Blick vor die eigene Haustür in Hiltrup reicht.

Natürlich haben wir einen großen Vorteil: Den Dortmund-Ems-Kanal. Ein riesiges „Freibad“, auch wenn man dort natürlich nicht schwimmen sollte. Und wir haben unser Freibad. Das sind schöne Möglichkeiten, sich an heißen Tagen aufzuhalten. Aber Hitzeresilienz besteht nicht darin, dass es irgendwo Wasser gibt. Sie entscheidet sich dort, wo Menschen ihren Alltag verbringen.

In unseren Schulen zum Beispiel. Was passiert, wenn sich Klassenräume und Gebäude an mehreren aufeinanderfolgenden heißen Tagen immer weiter aufheizen? Schulen und Krankenhaus in Hiltrup verfügen nicht über eine Klimaanlagen. Das mag unter normalen Bedingungen kein Problem sein. Bei zunehmenden Hitzewellen müssen wir aber darüber nachdenken, ob unsere Gebäude für die Zukunft noch geeignet sind. Auch die Schulhöfe und Aussenbereiche der Kindertagesstätten sind ein Thema. Wo sind die schattigen, grünen Bereiche, in denen Kinder spielen können, ohne stundenlang der Sonne ausgesetzt zu sein? Wo sind Bäume, begrünte Innenhöfe und Flächen, die Wasser aufnehmen und durch Verdunstung zur Abkühlung beitragen? Das sind keine Luxusfragen. Das ist Klimaanpassung.

Und dann steht da mitten in der Marktallee ein öffentlicher Springbrunnen. Trocken und trostlos – wie ein Menetekel. Seit Jahren. Dabei könnte gerade ein solcher Ort im Zentrum eines Stadtteils mehr sein als ein hübsches Relikt. Wasser, Schatten, Sitzmöglichkeiten und Grün können einen öffentlichen Raum bei großer Hitze deutlich angenehmer machen. Inzwischen gibt es sogar ein bürgerschaftliches Projekt, das sich um die Zukunft des Marktallee-Brunnens bemüht. Die Bezirksvertretung Hiltrup hat die bürgergestützte Unterhaltung des Brunnens inzwischen als Pilotprojekt in Richtung Rat gegeben.

Noch absurder wirkt die Situation beim Trinkwasser. Ein öffentlicher Trinkwasserspender für Hiltrup wurde bereits 2025 von der Bezirksvertretung beschlossen. Trotzdem steht er bis heute nicht. Dabei empfiehlt die Stadt selbst ausdrücklich, gerade bei Hitze ausreichend zu trinken. Für ältere Menschen nennt sie sogar konkrete Trinkmengen und empfiehlt, die Flüssigkeitszufuhr zu kontrollieren und gegebenenfalls zu dokumentieren.

Und damit sind wir bei einer Bevölkerungsgruppe, die in Hiltrup besonders wichtig ist: den älteren Menschen, Menschen über 60, zu denen auch ich gehöre.
Hiltrup ist ein Stadtteil mit vielen älteren Bewohnerinnen und Bewohnern. Dazu kommen Einrichtungen wie das Marienheim, das Meyer-Suhrheinrich-Haus und in Berg Fidel – das Haus Simeon. Zusammen verfügen diese drei Einrichtungen nach der städtischen Pflegeplanung über mehr als 270 stationäre Pflegeplätze und zahlreiche weitere Seniorenwohnungen. Die Stadt weiß sehr genau, was bei Hitze in Pflegeeinrichtungen notwendig ist: Die Flüssigkeitszufuhr muss überwacht werden, Trinkpläne können erforderlich sein, gefährdete Bewohnerinnen und Bewohner müssen gegebenenfalls in kühlere Räume gebracht werden. Aber wer sorgt eigentlich dafür, dass das alles auch funktioniert, wenn eine Hitzewelle mehrere Tage anhält? Die Pflegekräfte sind schon unter normalen Bedingungen voll beschäftigt. Bei großer Hitze steigt der zusätliche Pflegeaufwand erheblich. Bewohnerinnen und Bewohner müssen häufiger zum Trinken motiviert werden, Trinkmengen müssen kontrolliert werden, Räume müssen gekühlt werden, Bewohner in kühlere schattige Räume gebracht werden und besonders gefährdete Menschen brauchen kontinuierlich zusätzliche Aufmerksamkeit. Hitzeschutz ist deshalb auch eine Personalfrage.

Und er ist eine Frage der Gebäude. Wer heute ein Pflegeheim, eine Schule oder eine Kita baut oder saniert, muss sich eigentlich fragen: Wie sieht dieses Gebäude bei 35 Grad Außentemperatur und einer fünftägigen Hitzewelle aus? Das ist keine theoretische Zukunftsfrage mehr. Auch außerhalb der bebauten Bereiche sehen wir die Folgen. Wer derzeit durch das Münsterland fährt, sieht trockene Felder, teilweise sichtbar gestresste Mais- und Getreidebestände und eine Natur, die mit den zunehmenden trockenen Sommern zu kämpfen hat.

Das alles gehört zusammen.

Hitzeresilienz bedeutet nicht nur, Menschen mit einem Flyer zu erklären, wie sie sich bei 35 Grad verhalten sollen. Sie bedeutet, unsere Städte so zu bauen und zu verändern, dass sie weniger heiß werden.
  1. Mehr Bäume.
  2. Mehr Schatten.
  3. Mehr Grün.
  4. Weniger versiegelte Flächen.
  5. Mehr Wasser, das in der Stadt gehalten wird.
  6. Kühle öffentliche Räume.
  7. Trinkwasser dort, wo Menschen unterwegs sind.
  8. Hitzetaugliche Schulen, Kitas, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen.

Die Stadt Münster hat mit ihrer Stadtklimaanalyse 2025 inzwischen sogar eine wichtige Grundlage dafür geschaffen. Der Rat hat beschlossen, deren Erkenntnisse bei zukünftigen planerischen, baulichen und gestalterischen Prozessen und Projekten anzuwenden. Jetzt kommt es darauf an, daraus Realität zu machen. Und deshalb sollten wir den Hitzeaktionsplan nicht kleinreden. Wir sollten ihn ernst nehmen. Denn ein Aktionsplan ist kein fertiger Hitzeschutz. Er ist ein Anfang. Münster hat damit begonnen. Das ist gut.

Aber wenn ich an einem heißen Sommertag durch Hiltrup gehe und vor einem trockenen Brunnen stehe, auf einen aufgeheizten Schulhof schaue, den fehlenden Trinkwasserspender suche oder mir vorstelle, wie Pflegekräfte in einem überhitzten Pflegeheim dafür sorgen müssen, dass jeder Bewohner ausreichend trinkt, dann bleibt für mich eine entscheidende Frage: Wie hitzeresilient wollen wir eigentlich werden – und wann fangen wir damit an, nicht nur Pläne zu machen, sondern unsere Stadt entsprechend umzubauen?

Einen kleinen Lichtblick gibt es übrigens: Unser Wasserwerk in der Hohen Wart ist gut aufgestellt. Auch das gehört zur Wahrheit. Klimaanpassung ist nicht überall eine Geschichte des Versagens. Manches funktioniert bereits. Aber genau darum geht es: Wir sollten das, was funktioniert, ausbauen – und dort nachbessern, wo wir noch nicht ausreichend vorbereitet sind. Denn der nächste heiße Sommer kommt bestimmt.