Warum Kleingärten für unsere Städte immer wichtiger werden

Die Kleingartenbewegung entstand vor zweihundet Jahren aus den Wurzeln der Armengärten, der Industriellen Revolution und den Leitsätzen des Arztes Moritz Schreber mit der Gründung des ersten Kleingartenvereins 1814 in Kappeln. Wenn heute von Klimaschutz die Rede ist, denken die meisten an Windräder, Solaranlagen oder Elektroautos. Kaum jemand denkt an Kleingärten. Dabei könnte genau dort ein Teil der Antwort auf die Frage liegen, wie wir unsere Städte lebenswerter machen.

Ein aktueller Bericht der ARD Tagesschau stellt neue wissenschaftliche Erkenntnisse vor: Kleingärten sind weit mehr als Orte für Tomaten, Erdbeeren oder den Sonntagskaffee. Sie wirken wie natürliche Klimaanlagen mitten in unseren Städten. Große Kleingartenanlagen können ihre Umgebung um mehrere Grad abkühlen. Sie speichern Regenwasser, verbessern die Luftqualität und bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen wichtigen Lebensraum. Gleichzeitig binden ihre humusreichen Böden erhebliche Mengen Kohlenstoff und leisten damit einen Beitrag zum Klimaschutz. Diese Erkenntnisse verändern den Blick auf die klassische Kleingartenanlage.

Früher wurden Kleingärten häufig als Freizeitflächen betrachtet. Heute sprechen Wissenschaftler zunehmend von einer wichtigen Infrastruktur für die Klimaanpassung. Denn mit jedem heißen Sommer wird deutlicher, wie sehr Städte unter aufgeheizten Straßen, versiegelten Flächen und fehlendem Schatten leiden. Jede größere Grünfläche hilft dabei, diese Entwicklung abzumildern. Auch die Art der Bewirtschaftung spielt dabei eine Rolle. Naturnahes Gärtnern mit großen Bäumen, wenig versiegelten Flächen, Mulch statt nackter Erde und einem sparsamen Umgang mit Wasser verbessert die kühlende Wirkung zusätzlich. So entstehen kleine grüne Oasen, die nicht nur den Gartenbesitzern zugutekommen, sondern dem gesamten Umfeld.

Dabei erleben Kleingärten derzeit eine bemerkenswerte Renaissance. Während manche Vereine vor einigen Jahren Schwierigkeiten hatten, frei werdende Parzellen neu zu vergeben, sind heute vielerorts wieder Wartelisten entstanden. Immer mehr Familien, junge Menschen und Senioren entdecken den Wert eines eigenen Gartens neu – als Ort der Erholung, der Bewegung, der Selbstversorgung und der Begegnung.

Gerade für Münster lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf dieses Thema. Unsere Stadt verfügt über zahlreiche Kleingartenanlagen, die seit Jahrzehnten das Stadtbild prägen. Vielleicht sind sie viel mehr als ein schönes Stück Grün. Vielleicht gehören sie längst zu den wichtigsten Bausteinen einer klimaresilienten Stadt. Deshalb sollten wir Kleingärten künftig nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Freizeit betrachten. Sie sind Klimaschützer, Wasserspeicher, Lebensräume für Tiere und Pflanzen und Treffpunkte für Menschen aller Generationen.

Ein einzelner Straßenbaum ist für das Stadtklima wertvoll. Er spendet Schatten, filtert Schadstoffe und kühlt seine unmittelbare Umgebung. Eine Kleingartenanlage dagegen ist ein ganzes Ökosystem: Hunderte Bäume und Sträucher, unversiegelte Böden, blühende Pflanzen, Regenwasserspeicherung und Lebensräume für Tiere wirken gemeinsam. Ihre klimatische Wirkung reicht weit über den Gartenzaun hinaus. Wer Kleingärten nur als Freizeitflächen betrachtet, unterschätzt ihren Wert für unsere Städte erheblich.

Dies soll der Auftakt zu einer kleinen Artikelreihe sein. In den kommenden Wochen möchte ich der Frage nachgehen, welche Bedeutung die Kleingärten für Münster und besonders für Hiltrup haben. Wie viele Anlagen gibt es überhaupt? Wie groß ist ihre ökologische Wirkung? Gibt es Wartelisten? Brauchen wir künftig vielleicht sogar neue Kleingärten? Und welche Rolle können sie bei der Entwicklung neuer Wohngebiete spielen?

Ich bin überzeugt: Es lohnt sich, genauer hinzusehen.