Wenn sogar die Wirtschaft mahnt: Energiewende nicht ausbremsen

Mehr als 1.700 Unternehmen haben einen ungewöhnlich deutlichen Appell an die Bundesregierung gerichtet: Die Energiewende darf nicht ausgebremst werden.

Bemerkenswert ist vor allem, wer diesen Appell formuliert hat. Es sind nicht Umweltverbände oder Aktivistinnen. Es sind Unternehmerinnen und Unternehmer selbst – aus Industrie, Handwerk und Energiewirtschaft. Menschen also, die investieren, Arbeitsplätze schaffen und täglich wirtschaftliche Risiken tragen.

Sie warnen: Eine Abkehr vom Ausbau der erneuerbaren Energien würde enorme wirtschaftliche Chancen verspielen.

Diese Intervention ist politisch bemerkenswert. Denn über viele Jahre wurde die Energiewende gerade aus konservativen Kreisen immer wieder als Belastung für die Wirtschaft dargestellt. Zu teuer, zu ideologisch, zu riskant – so lauteten die Argumente.

Jetzt sagt ausgerechnet die Wirtschaft selbst: Die Energiewende ist ein Wachstumsmotor.

Sie sorgt für günstigen Strom, stärkt unsere Unabhängigkeit von Energieimporten und schafft neue Märkte – von der Gebäudetechnik über Speicherlösungen bis hin zu digital gesteuerten Energiesystemen. Für viele Unternehmen ist längst klar: Der Wettbewerb der Zukunft wird auch ein Wettbewerb um klimafreundliche Technologien sein. Gerade deshalb sorgen die aktuellen politischen Signale für Irritation. Bei der CDU und Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche entsteht zunehmend der Eindruck, dass sie selbst nicht wirklich von der Energiewende überzeugt sind. Statt klarer Strategie gibt es vorsichtige Trippelschritte – und bei politischem Gegenwind schnell wieder einen großen Schritt zurück.

Doch wer so agiert, schafft keine Grundlage für Investitionsentscheidungen. Unternehmen investieren Milliardenbeträge und planen über Jahrzehnte. Dafür brauchen sie vor allem eines: Planungssicherheit. Wenn politische Rahmenbedingungen ständig infrage gestellt werden, wenn selbst bereits getätigte Investitionen plötzlich unsicher erscheinen, dann bremst das genau die Investitionen, die wir eigentlich dringend brauchen.

Dabei geht es um weit mehr als Energiepolitik. Deutschland steht mitten in einem tiefen industriellen Wandel. In vielen klassischen Industriebereichen wird der Wettbewerb mit China immer härter. In einigen Bereichen werden wir ihn verlieren. Umso wichtiger ist es, dort führend zu bleiben, wo neue Märkte entstehen. Umwelt- und Energietechnologie gehören zu diesen Zukunftsfeldern. Hier hat Deutschland Unternehmen, Know-how und industrielle Erfahrung aufgebaut. Hier können neue Arbeitsplätze entstehen – auch für Beschäftigte, deren Tätigkeiten in traditionellen Industrien unter Druck geraten.

Die Energiewende ist deshalb nicht nur ein Klimaprojekt. Sie ist auch eine zentrale industriepolitische Chance.

Wer sie ausbremst, riskiert nicht nur klimapolitische Rückschritte – sondern auch wirtschaftliche.

Oder anders gesagt: Wenn sogar die Unternehmen mahnen, sollte die Politik sehr genau hinhören!