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Früher war alles besser - Wirklich? Folge 7 Wer erinnert sich noch an die gute alte Mülltonne?
Nicht an irgendeine Mülltonne. Sondern an die Mülltonne. Schwer, dunkelgrau, aus Stahlblech und praktisch unverwüstlich. Wenn der Deckel aufging, quietschte es manchmal. Wenn sie voll war, wurde sie ordentlich schwer. Und wenn sie geleert wurde, hörte man schon von weitem das metallische Scheppern der Tonnen. Diese Mülltonne gehörte einfach zum Haushalt und überdauerte Jahrzehnte.
Heute sieht unsere Abfallwelt ganz anders aus. Die alte Stahltonne ist verschwunden. Stattdessen stehen vor vielen Häusern gleich 3 bis 4 Kunststoffbehälter: Restabfall, Bioabfall, Papier und Wertstoffe. Was früher in die eine Tonne kam, wird heute auf mehrere verteilt? Man könnte also vermuten: Früher war es einfacher. Und tatsächlich: Einfacher war es. Aber besser?
Schauen wir einmal auf die Zahlen. In Münster fielen 2014 pro Einwohner noch 479 Kilogramm Abfälle aus Privathaushalten an. Zehn Jahre später waren es 387 Kilogramm. Das sind 92 Kilogramm weniger pro Person – ein Rückgang von fast einem Fünftel. Noch interessanter ist die Entwicklung beim Restabfall: Er sank von 129 auf 119 Kilogramm pro Einwohner. Gleichzeitig wurden viele Abfälle getrennt gesammelt und damit einer Verwertung zugeführt. Das ist eigentlich eine bemerkenswerte Geschichte. Wir haben heute mehr Tonnen als früher – und trotzdem weniger Restmüll.
Die zusätzliche Tonne ist also nicht einfach ein Zeichen dafür, dass wir mehr Müll produzieren. Sie ist Ausdruck eines anderen Umgangs damit. Papier wird nicht mehr einfach als wertloser Abfall betrachtet. Bioabfälle werden gesammelt und zu Kompost und Biogas verarbeitet. Verpackungen und andere Wertstoffe werden getrennt erfasst. Selbst das, was früher einfach „weg“ war, bekommt heute möglichst einen neuen Verwendungszweck. Und auch bei einem scheinbar unspektakulären Produkt wie Papier lässt sich dieser Wandel beobachten. In Münster fielen 2013 noch 79 Kilogramm Papier pro Einwohner an. 2023 waren es nur noch 52 Kilogramm. Zeitungen, Prospekte, Kataloge und vieles andere sind inzwischen digital geworden.
Datum · Autor Hermann Geusendam-Wode
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Skulptur Projekte 2027: Warum Berg Fidel diesmal sichtbarer werden sollte
Ich erinnere mich noch gut an diesen Spaziergang vor neun Jahren. 2017 waren die Skulptur Projekte in Münster. Wie viele andere Münsteraner war ich mit dem Fahrrad unterwegs, immer auf der Suche nach den manchmal spektakulären, manchmal rätselhaften Kunstwerken, die plötzlich an Orten auftauchten, an denen man sie niemals erwartet hätte. Eines dieser Werke führte mich in den Sternbusch.
Und dann stand da plötzlich ein Haus im Wald. Kein richtiges Haus. Eher ein Gerippe, eine stilisierte Konstruktion, die gleichzeitig deutlich und fast durchsichtig wirkte. Ein Haus, das sich mit seiner Umgebung verband und den Wald spiegelte. Es war das „Fourth House of the House Project since 1974“ des isländischen Künstlers Hreinn Friðfinnsson. Für mich war das genau das, was die Skulptur Projekte so besonders macht: Man musste sich auf den Weg machen. Man musste Münster entdecken. Und plötzlich fand man Kunst an einem Ort, an dem man sie nie erwartet hätte.
Und 2017 gab es tatsächlich noch ein zweites Projekt in Berg Fidel: In einer städtischen Kindertageseinrichtung wurden sieben „Date Paintings“ von On Kawara gezeigt. Das wusste ich damals nicht. Und ich vermute, es wussten viele andere Münsteraner ebenfalls nicht. Das Projekt war bewusst den Kindern vorbehalten. Es war also gar nicht als öffentliches Kunstwerk angelegt. Das macht einen Unterschied deutlich: Das Haus im Sternbusch konnte man entdecken. Das Projekt in der Kita musste man kennen.
Und vielleicht liegt darin eine wichtige Lehre für die kommenden Skulptur Projekte 2027, denn Berg Fidel kommt wieder! Die nächsten Skulptur Projekte werden vom 13. Juni bis zum 3. Oktober 2027 stattfinden. Zum 50. Jubiläum der ersten Ausgabe von 1977 soll die Ausstellung ausdrücklich über die Innenstadt hinausgehen. Und spannend, diesmal wird Berg Fidel sogar ausdrücklich als einer der Schwerpunkte genannt.
Datum · Autor Hermann Geusendam-Wode
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Azubi-Campus Münster: Warum eigentlich nicht bei uns?
Manchmal lohnt sich ein Blick über den eigenen Tellerrand. In Dortmund ist gerade ein Projekt gestartet, das mehr ist als ein neues Wohnheim: Dort entsteht ein Azubi-Campus für das Handwerk. 112 Wohnungen sollen gebaut werden, die maximal 350 Euro warm kosten. In unmittelbarer Nähe liegen Ausbildungsbetriebe sowie die Bildungsstätten der Handwerkskammer und der Kreishandwerkerschaft. Gemeinschaftsflächen und eine gute ÖPNV-Anbindung gehören ebenfalls zum Konzept. Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt das Projekt mit mehr als 13,5 Millionen Euro. Die Landesregierung sieht darin ausdrücklich ein Modell mit Vorbildcharakter.
Die Idee dahinter ist eigentlich ganz einfach: Wer Fachkräfte gewinnen will, muss auch dafür sorgen, dass junge Menschen sich ihre Ausbildung leisten können. Denn die Wohnungsfrage wird für viele Auszubildende zunehmend zu einem Problem. Wer während seiner Ausbildung nur rund 900 oder 1.000 Euro netto zur Verfügung hat, kann sich auf einem angespannten Wohnungsmarkt kaum eine normale Wohnung leisten. In Dortmund erzählt ein Auszubildender im WDR-Beitrag genau davon: Eine eigene Wohnung wäre sein Wunsch – aber bei seinem Ausbildungsgehalt ist sie kaum bezahlbar. Und Münster?
Münster kennt dieses Problem ebenfalls. Und eigentlich haben wir sogar gute Voraussetzungen, etwas dagegen zu tun. An der Steinfurter Straße ist mit dem Münster Modell Quartier 1 ein neues Stadtquartier geplant. Auf rund 50 Hektar sollen etwa 2.000 Wohnungen entstehen – und ausdrücklich auch rund 1.000 Apartments für Auszubildende und Studierende. Gleichzeitig sollen dort Wohnen, Arbeiten, Technologie und Wissenschaft miteinander verbunden werden. Auch auf dem ehemaligen Eissporthallenareal an der Steinfurter Straße geht Münster bereits in diese Richtung: In einem geplanten fünfgeschossigen Gebäude sollen 124 öffentlich geförderte Apartments für Auszubildende und Studierende entstehen. Der Rat hat den entsprechenden Bebauungsplan im Mai 2026 beschlossen. Münster muss also nicht erst entdecken, dass Auszubildende bezahlbaren Wohnraum brauchen.
Datum · Autor Hermann Geusendam-Wode
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Warum wir beim Denkmalschutz lernen müssen, zwischen Bewahren und Loslassen zu unterscheiden
Jede Generation hinterlässt der nächsten nicht nur eine Welt, sondern auch ihre Denkmäler. Gebäude, Plätze, Gärten, Industrieanlagen, Brücken, Mahnmale – sie erzählen Geschichten davon, was Menschen vor uns wichtig fanden. Sie erinnern an Erfolge und Katastrophen, an Alltag und Ausnahmezustände, an technische Leistungen, an politische Macht, an Krieg und Frieden. Und mit jedem Jahr werden es mehr.
Ein aktueller Beitrag von n-tv über die Zukunft des Denkmalschutzes im Klimawandel hat mich deshalb an einen Gedanken erinnert, der mich schon länger beschäftigt: Denkmalschutz kann auf Dauer nicht einfach bedeuten, immer mehr zu bewahren. Denn irgendwann stellt sich zwangsläufig die Frage: Was wollen und können wir uns leisten – kulturell, gesellschaftlich, ökologisch und finanziell?
Was heute ein Denkmal ist, war gestern zunächst einmal Gegenwart. Die Menschen, die Gebäude errichteten, Plätze gestalteten oder technische Anlagen bauten, dachten vermutlich selten daran, dass ihre Werke hundert oder zweihundert Jahre später einmal unter Schutz gestellt werden könnten. Und auch wir schaffen ständig Dinge, die irgendwann Geschichte sein werden. Unsere Schulen, Rathäuser, Wohnsiedlungen, Kirchen, Industriegebäude, Brücken und Verkehrsanlagen. Vielleicht sogar manche Einkaufszentren oder Hochhäuser. Was uns heute selbstverständlich erscheint, kann für kommende Generationen ein Zeugnis unserer Zeit werden. Damit wächst unser kulturelles Erbe zwangsläufig.
Aber ein Erbe ist nicht nur ein Schatz. Ein Erbe kann auch eine Verpflichtung sein. Und diese Verpflichtungen müssen für die folgenden Generationen tragbar bleiben. Besonders interessant finde ich deshalb den Gedanken der Denkmalpflegerin Ingrid Scheurmann, den n-tv in seinem aktuellen Beitrag aufgreift: Ein Denkmal sei nichts Statisches. Wir müssten uns nicht nur fragen, was wir aus der Vergangenheit erhalten wollen, sondern auch, wie wir diese Dinge in eine Zukunft führen können, die über die nächsten Generationen hinausreicht. Das ist ein entscheidender Perspektivwechsel. Denn manchmal behandeln wir Denkmäler so, als müsse ein bestimmter Zustand für alle Ewigkeit konserviert werden. Aber Geschichte hat niemals so funktioniert.
Datum · Autor Hermann Geusendam-Wode
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Frankreich vor einer Schicksalswahl – und die bange Frage, was daraus für Europa wird
Es gibt politische Nachrichten, die einen nicht so schnell wieder loslassen. Nein, ich meine gerade nicht den Wahlkampf in Sachsen-Anahlt. Die aktuelle Entwicklung in Frankreich kommt dazu. Acht Monate vor der französischen Präsidentschaftswahl zeichnet sich ein Szenario ab, das mir noch mehr Sorgen macht: Marine Le Pen vom rechtsnationalen Rassemblement National und Jean-Luc Mélenchon vom radikalen linken Lager führen in den Umfragen. Gleichzeitig nehmen sich die gemäßigten Kandidaten gegenseitig die Stimmen weg.
Das ist zunächst eine französische Angelegenheit. Aber eben nicht nur. Denn Frankreich ist nicht irgendein Land in Europa. Frankreich ist Gründungsmitglied der Europäischen Union, Atommacht, ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat und gemeinsam mit Deutschland seit Jahrzehnten eine der tragenden Säulen der europäischen Einigung. Wenn Frankreich politisch ins Wanken gerät, bleibt das deshalb nicht auf Frankreich beschränkt.
Die Welt ist kompliziert geworden. Die französische Staatsverschuldung liegt bei rund 118 Prozent der Wirtschaftsleistung. Der Sozialstaat steht unter enormem Finanzierungsdruck, die Arbeitslosigkeit steigt wieder, die Wirtschaft schwächelt. Gleichzeitig erleben viele Menschen steigende Preise und haben das Gefühl, dass ihr Einkommen nicht mehr mit den Lebenshaltungskosten Schritt hält. Das sind reale Probleme. Und dann kommen die einfachen Antworten.
Datum · Autor Hermann Geusendam-Wode