Aktuelles

  • In den nächsten Monaten wird viel darüber gesprochen werden, wer Frank-Walter Steinmeier als Bundespräsident oder Bundespräsidentin nachfolgen soll: Wer soll Staatsoberhaupt werden? Mir kommt dabei der Gedanke: Vielleicht stellen wir manchmal die falsche Frage. Wir diskutieren über Namen, Parteien, Regionen (Nord/Süd/West/Ost) oder darüber, ob nun endlich eine Frau das höchste Staatsamt übernehmen sollte. Das alles hat seine Berechtigung. Aber viel wichtiger erscheint mir eine andere Frage: Wonach sehnen wir uns eigentlich?

    Ich glaube, viele Menschen wünschen sich wieder Persönlichkeiten, die Orientierung geben. Menschen, die nicht bei jeder Gelegenheit den lautesten Applaus suchen, sondern Vertrauen schaffen. Die zuhören können. Die Widersprüche aushalten. Die Brücken bauen, statt Gräben zu vertiefen. Autorität entsteht nicht durch ein Amt. Sie entsteht durch Haltung. Vielleicht ist genau das der Grund, warum sich viele heute gut vorstellen können, dass erstmals eine Frau Bundespräsidentin wird. Nicht als Symbol oder Quote. Sondern weil wir längst erlebt haben, dass Führungsstärke viele Gesichter haben kann. Wer Verantwortung übernimmt, Entscheidungen trifft und dabei Menschen mitnimmt, überzeugt durch Persönlichkeit – nicht durch sein Geschlecht.

    Unsere Demokratie lebt davon, dass wir unterschiedliche Meinungen haben. Aber sie lebt ebenso davon, dass es Menschen gibt, die uns immer wieder daran erinnern, was uns verbindet. Gerade in einer Zeit, in der vieles lauter, schneller und unversöhnlicher geworden ist, wünsche ich mir ein Staatsoberhaupt, das Gelassenheit ausstrahlt. Jemanden, der nicht jedes Problem lösen muss, aber Hoffnung geben kann. Vielleicht ist das die wichtigste Aufgabe überhaupt.

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  • Zwischen all den Schlagzeilen über Krisen, Konflikte und wirtschaftliche Unsicherheiten gibt es auch Nachrichten, die Mut machen. Die deutsche Industrie hat im Juni deutlich mehr neue Aufträge erhalten als von den meisten Fachleuten erwartet. Besonders Unternehmen aus dem Maschinenbau, der Elektronikbranche und der Fahrzeugindustrie konnten spürbare Zuwächse verzeichnen. Das ist ein wichtiges Signal, denn neue Aufträge sind die Grundlage für Produktion, Investitionen und Arbeitsplätze.

    Natürlich wäre es verfrüht, schon von einer nachhaltigen Trendwende zu sprechen. Ein Teil des Anstiegs geht auf größere Einzelaufträge zurück, und Herausforderungen wie hohe Energiepreise, geopolitische Spannungen oder die Auswirkungen des Niedrigwassers auf den wichtigen Transportweg Rhein bleiben bestehen. Dennoch lohnt es sich, die positive Entwicklung wahrzunehmen. Wirtschaft lebt nicht nur von Zahlen, sondern auch von Zuversicht. Unternehmen investieren eher, wenn sie Vertrauen in die Zukunft haben. Beschäftigte gewinnen Sicherheit, wenn die Auftragsbücher wieder voller werden. Und Politik sollte gute Nachrichten ebenso ernst nehmen wie schlechte.

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  • Die Diskussion ist zurück. Unser Grundgesetz ist zum Thema Wehr- und Zivildienst eindeutig. Solange es nicht geändert wird – und danach sieht es derzeit nicht aus – würde ein erneuter verpflichtender Wehr- oder Zivildienst ausschließlich junge Männer betreffen. Gerade deshalb tragen Politik und Gesellschaft eine besondere Verantwortung.

    Wenn die Wehrpflicht wieder eingeführt wird, würde auch der Zivildienst zurückkehren. Viele reagieren darauf zunächst ablehnend. Das kann ich gut verstehen. Niemand hört das Wort Pflichtdienst gern. Es klingt nach Fremdbestimmung, nach verlorener Zeit und danach, dass andere über das eigene Leben entscheiden. Genau deshalb dürfen wir nicht zuerst darüber sprechen, ob ein Zivildienst kommt. Wir müssen darüber sprechen, wie er aussehen muss. Denn wenn junge Männer nach neun oder zwölf Monaten sagen: Das war eine der wichtigsten Erfahrungen meines Lebens. Ich würde es wieder machen – dann haben wir vieles richtig gemacht.

    Viele verbinden den früheren Zivildienst mit Krankenhäusern oder Altenheimen. Dort haben Generationen von jungen Männern wichtige Erfahrungen gemacht. Viele entdeckten zum ersten Mal, wie erfüllend die Arbeit mit Menschen sein kann. Nicht wenige entschieden sich später für einen Beruf im Gesundheits- oder Sozialwesen. Auch ich gehöre dazu. Doch unsere Gesellschaft hat sich verändert. Pflegeeinrichtungen arbeiten heute unter anderen Bedingungen als noch vor zwanzig Jahren. Deshalb reicht es nicht aus, den alten Zivildienst einfach wieder einzuführen.

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  • Die Diskussion um das neue Kita-Jahr wird derzeit vor allem entlang der Frage geführt, ob Nordrhein-Westfalen ausreichend Kitaplätze finanziert. Das ist wichtig. Aber zwei andere Fragen erscheinen mindestens ebenso entscheidend. Seit Jahren klagen Kommunen und Träger über den Mangel an Erzieherinnen und Erziehern. Gleichzeitig halten wir an einem Ausbildungs- und Qualifikationssystem fest, das in vielen Bereichen kaum noch zur Realität des Arbeitsmarktes passt. Dabei lohnt ein Blick in unsere Nachbarländer. In den Niederlanden, Dänemark oder Schweden arbeiten in Kindertageseinrichtungen längst multiprofessionelle Teams. Dort gibt es zwar ebenfalls pädagogische Fachkräfte mit Hochschul- oder Fachschulabschluss, gleichzeitig werden aber weitere Berufsgruppen gezielt eingebunden. Entscheidend ist weniger, dass alle den identischen Ausbildungsweg durchlaufen haben, sondern dass die Kompetenzen im Team stimmen und durch Fortbildung kontinuierlich weiterentwickelt werden. Deutschland verfolgt dagegen traditionell ein sehr starres Fachkraftsystem. Das hat über viele Jahre Qualität gesichert, doch unter den Bedingungen eines massiven Fachkräftemangels wird dieses System zunehmend selbst zum Problem.

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  • Es gibt Interviews, die liest man wegen der Schlagzeile. Und es gibt Interviews, bei denen eine ganz andere Botschaft hängen bleibt. So ging es mir beim lesen eines Interviews mit der neuen Bahnchefin Evelyn Palla, das man heute an verschiedenen Stellen lesen konnte.

    Natürlich ging es um verspätete Züge, Baustellen und unzufriedene Fahrgäste. Aber ein Satz hat mich aufhorchen lassen. Sie sprach von einer früheren „organisierten Verantwortungslosigkeit“. Ein hartes Urteil über den eigenen Konzern. Doch je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich: Das ist nicht nur ein Bahnproblem. Das ist eine Herausforderung vieler großer Organisationen – in Unternehmen, Verwaltungen, Schulen, Krankenhäusern und manchmal auch in der Politik. Zu oft wird Verantwortung zwischen verschiedenen Ebenen hin- und hergeschoben. Die einen entscheiden, die anderen sollen umsetzen. Wenn etwas nicht funktioniert, findet sich fast immer eine gute Erklärung. Am Ende fühlt sich niemand wirklich verantwortlich.

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