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  • Deutschland redet sich selbst schlecht: Die Wirtschaft stagniert, Energie ist teuer, Bürokratie lähmt, Fachkräfte fehlen, Investitionen bleiben aus – und über allem liegt das Gefühl: Früher war alles besser. Auch in der Politik ist diese Stimmung angekommen. Die Debatte über den Atomausstieg wird wieder geführt. Es wird über den Wirtschaftsstandort Deutschland geklagt und darüber, dass andere Länder angeblich längst an uns vorbeigezogen sind.

    Natürlich haben wir Probleme. Einige davon sind erheblich und müssen dringend gelöst werden. Aber gerade deshalb lohnt ein Blick auf eine Nachricht, die viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt: Ausländische Investoren zeigen wieder deutlich mehr Interesse an Deutschland. Nach einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft auf Basis neuer Bundesbank-Daten stiegen die ausländischen Direktinvestitionen 2025 auf rund 86 Milliarden Euro – etwa 50 Prozent mehr als im Vorjahr und sogar knapp 11 Prozent mehr als der Median der Jahre 2015 bis 2024.

    Das ist kein Grund für Euphorie. Direktinvestitionen schwanken stark, einzelne große Übernahmen können die Zahlen beeinflussen. Aber sie sind ein wichtiges Signal. Denn internationale Investoren investieren nicht aus Nostalgie. Sie investieren dort, wo sie Zukunftschancen sehen. Vielleicht sehen andere etwas, das wir gerade selbst nicht wahrnehmen – wegen der schlechten Stimmung. Besonders interessant ist die Herkunft des Kapitals. Mehr als 80 Prozent der ausländischen Investitionen kommen aus Europa, wenn man Großbritannien einbezieht. Das Vereinigte Königreich lag 2025 sogar deutlich vor den USA.
    Das ist mehr als eine Momentaufnahme. Es zeigt, dass Deutschland weiterhin tief in einen starken europäischen Wirtschaftsraum eingebunden ist. Und es zeigt: Der Standort Deutschland ist keineswegs abgeschrieben. Investoren sehen offenbar weiterhin einen großen Markt, industrielle Kompetenz, Forschung, Infrastruktur, qualifizierte Beschäftigte, rechtliche Sicherheit und eine starke Einbindung in den europäischen Binnenmarkt.

    Deutschland hat also nicht aufgehört, attraktiv zu sein. Wir haben nur aufgehört, an unsere eigene Attraktivität zu glauben und das ist gefährlich. Denn eine Gesellschaft, die ständig von ihrem Niedergang erzählt, verliert irgendwann die Kraft, ihre Zukunft zu gestalten. Besonders deutlich wird das bei der Energiepolitik. Ja, Strom und Energie sind in Deutschland teilweise teuer. Ja, der Ausbau der Netze kostet gewaltige Summen. Ja, es gibt Stunden, in denen bei sehr hoher Einspeisung aus Wind und Photovoltaik die Börsenstrompreise auf null oder sogar unter null fallen. Aber daraus lässt sich nicht die einfache Geschichte ableiten: „Erneuerbare Energie sind teuer.“

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  • Es war ein demokratische Wahl, aber nicht nur ich frage mich, wie man diesen ganzen hohlen Versprechungen so folgen kann. Ein Beispiel: Dennis Hohloch, Mitglied im AfD-Bundesvorstand, sagte am Wochenende auf dem Bundeskongress der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ in Magdeburg, Deutschland benötige nicht mehr Wohnungen, Schulen, Kitas, Sozialpädagogen und Lehrer. Denn: „Wir als Bevölkerung schrumpfen.“ Und die AfD sage ganz klar: „Deutschland braucht keine 80 Millionen, es kann auch mit 60 Millionen leben – und wir brauchen diese Zuwanderung nicht.“ So hat es die „Spiegel“-Journalistin Ann-Katrin Müller notiert. Der Satz klingt zunächst verblüffend einfach. Weniger Menschen, weniger Wohnungen, weniger Schulen, weniger Kitas – angeblich sogar weniger Probleme. Und tatsächlich könnte man ergänzen: Die alte Bundesrepublik kam schließlich auch lange mit deutlich weniger als 80 Millionen Einwohnern aus.

    Die einfache Rechnung mit den 60 Millionen hat einen entscheidenden Fehler: Sie betrachtet die Zahl der Menschen, aber nicht deren Alter. Deutschland schrumpft nämlich nicht deshalb, weil zu viele Menschen zuwandern. Deutschland hat ein viel grundlegenderes demografisches Problem: Seit 1972 sterben in Deutschland mehr Menschen, als Kinder geboren werden. Die Zuwanderung hat diesen natürlichen Bevölkerungsverlust in den vergangenen Jahrzehnten ganz oder teilweise ausgeglichen. Das Entscheidende ist deshalb nicht allein, ob Deutschland irgendwann 60, 70 oder 80 Millionen Einwohner hat. Entscheidend ist, wie viele davon im Erwerbsalter sind – und wie viele Menschen von ihrer Arbeit leben oder auf die Unterstützung anderer angewiesen sind.

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  • Nicht an irgendeine Mülltonne. Sondern an die Mülltonne. Schwer, dunkelgrau, aus Stahlblech und praktisch unverwüstlich. Wenn der Deckel aufging, quietschte es manchmal. Wenn sie voll war, wurde sie ordentlich schwer. Und wenn sie geleert wurde, hörte man schon von weitem das metallische Scheppern der Tonnen. Diese Mülltonne gehörte einfach zum Haushalt und überdauerte Jahrzehnte.

    Heute sieht unsere Abfallwelt ganz anders aus. Die alte Stahltonne ist verschwunden. Stattdessen stehen vor vielen Häusern gleich 3 bis 4 Kunststoffbehälter: Restabfall, Bioabfall, Papier und Wertstoffe. Was früher in die eine Tonne kam, wird heute auf mehrere verteilt? Man könnte also vermuten: Früher war es einfacher. Und tatsächlich: Einfacher war es. Aber besser?

    Schauen wir einmal auf die Zahlen. In Münster fielen 2014 pro Einwohner noch 479 Kilogramm Abfälle aus Privathaushalten an. Zehn Jahre später waren es 387 Kilogramm. Das sind 92 Kilogramm weniger pro Person – ein Rückgang von fast einem Fünftel. Noch interessanter ist die Entwicklung beim Restabfall: Er sank von 129 auf 119 Kilogramm pro Einwohner. Gleichzeitig wurden viele Abfälle getrennt gesammelt und damit einer Verwertung zugeführt. Das ist eigentlich eine bemerkenswerte Geschichte. Wir haben heute mehr Tonnen als früher – und trotzdem weniger Restmüll.

    Die zusätzliche Tonne ist also nicht einfach ein Zeichen dafür, dass wir mehr Müll produzieren. Sie ist Ausdruck eines anderen Umgangs damit. Papier wird nicht mehr einfach als wertloser Abfall betrachtet. Bioabfälle werden gesammelt und zu Kompost und Biogas verarbeitet. Verpackungen und andere Wertstoffe werden getrennt erfasst. Selbst das, was früher einfach „weg“ war, bekommt heute möglichst einen neuen Verwendungszweck. Und auch bei einem scheinbar unspektakulären Produkt wie Papier lässt sich dieser Wandel beobachten. In Münster fielen 2013 noch 79 Kilogramm Papier pro Einwohner an. 2023 waren es nur noch 52 Kilogramm. Zeitungen, Prospekte, Kataloge und vieles andere sind inzwischen digital geworden.

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  • Ich erinnere mich noch gut an diesen Spaziergang vor neun Jahren. 2017 waren die Skulptur Projekte in Münster. Wie viele andere Münsteraner war ich mit dem Fahrrad unterwegs, immer auf der Suche nach den manchmal spektakulären, manchmal rätselhaften Kunstwerken, die plötzlich an Orten auftauchten, an denen man sie niemals erwartet hätte. Eines dieser Werke führte mich in den Sternbusch.

    Und dann stand da plötzlich ein Haus im Wald. Kein richtiges Haus. Eher ein Gerippe, eine stilisierte Konstruktion, die gleichzeitig deutlich und fast durchsichtig wirkte. Ein Haus, das sich mit seiner Umgebung verband und den Wald spiegelte. Es war das „Fourth House of the House Project since 1974“ des isländischen Künstlers Hreinn Friðfinnsson. Für mich war das genau das, was die Skulptur Projekte so besonders macht: Man musste sich auf den Weg machen. Man musste Münster entdecken. Und plötzlich fand man Kunst an einem Ort, an dem man sie nie erwartet hätte.

    Und 2017 gab es tatsächlich noch ein zweites Projekt in Berg Fidel: In einer städtischen Kindertageseinrichtung wurden sieben „Date Paintings“ von On Kawara gezeigt. Das wusste ich damals nicht. Und ich vermute, es wussten viele andere Münsteraner ebenfalls nicht. Das Projekt war bewusst den Kindern vorbehalten. Es war also gar nicht als öffentliches Kunstwerk angelegt. Das macht einen Unterschied deutlich: Das Haus im Sternbusch konnte man entdecken. Das Projekt in der Kita musste man kennen.

    Und vielleicht liegt darin eine wichtige Lehre für die kommenden Skulptur Projekte 2027, denn Berg Fidel kommt wieder! Die nächsten Skulptur Projekte werden vom 13. Juni bis zum 3. Oktober 2027 stattfinden. Zum 50. Jubiläum der ersten Ausgabe von 1977 soll die Ausstellung ausdrücklich über die Innenstadt hinausgehen. Und spannend, diesmal wird Berg Fidel sogar ausdrücklich als einer der Schwerpunkte genannt.

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  • Manchmal lohnt sich ein Blick über den eigenen Tellerrand. In Dortmund ist gerade ein Projekt gestartet, das mehr ist als ein neues Wohnheim: Dort entsteht ein Azubi-Campus für das Handwerk. 112 Wohnungen sollen gebaut werden, die maximal 350 Euro warm kosten. In unmittelbarer Nähe liegen Ausbildungsbetriebe sowie die Bildungsstätten der Handwerkskammer und der Kreishandwerkerschaft. Gemeinschaftsflächen und eine gute ÖPNV-Anbindung gehören ebenfalls zum Konzept. Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt das Projekt mit mehr als 13,5 Millionen Euro. Die Landesregierung sieht darin ausdrücklich ein Modell mit Vorbildcharakter.

    Die Idee dahinter ist eigentlich ganz einfach: Wer Fachkräfte gewinnen will, muss auch dafür sorgen, dass junge Menschen sich ihre Ausbildung leisten können. Denn die Wohnungsfrage wird für viele Auszubildende zunehmend zu einem Problem. Wer während seiner Ausbildung nur rund 900 oder 1.000 Euro netto zur Verfügung hat, kann sich auf einem angespannten Wohnungsmarkt kaum eine normale Wohnung leisten. In Dortmund erzählt ein Auszubildender im WDR-Beitrag genau davon: Eine eigene Wohnung wäre sein Wunsch – aber bei seinem Ausbildungsgehalt ist sie kaum bezahlbar. Und Münster?

    Münster kennt dieses Problem ebenfalls. Und eigentlich haben wir sogar gute Voraussetzungen, etwas dagegen zu tun. An der Steinfurter Straße ist mit dem Münster Modell Quartier 1 ein neues Stadtquartier geplant. Auf rund 50 Hektar sollen etwa 2.000 Wohnungen entstehen – und ausdrücklich auch rund 1.000 Apartments für Auszubildende und Studierende. Gleichzeitig sollen dort Wohnen, Arbeiten, Technologie und Wissenschaft miteinander verbunden werden. Auch auf dem ehemaligen Eissporthallenareal an der Steinfurter Straße geht Münster bereits in diese Richtung: In einem geplanten fünfgeschossigen Gebäude sollen 124 öffentlich geförderte Apartments für Auszubildende und Studierende entstehen. Der Rat hat den entsprechenden Bebauungsplan im Mai 2026 beschlossen. Münster muss also nicht erst entdecken, dass Auszubildende bezahlbaren Wohnraum brauchen.

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