Autor Hermann Geusendam-Wode

  • Zwischen all den Schlagzeilen über Krisen, Konflikte und wirtschaftliche Unsicherheiten gibt es auch Nachrichten, die Mut machen. Die deutsche Industrie hat im Juni deutlich mehr neue Aufträge erhalten als von den meisten Fachleuten erwartet. Besonders Unternehmen aus dem Maschinenbau, der Elektronikbranche und der Fahrzeugindustrie konnten spürbare Zuwächse verzeichnen. Das ist ein wichtiges Signal, denn neue Aufträge sind die Grundlage für Produktion, Investitionen und Arbeitsplätze.

    Natürlich wäre es verfrüht, schon von einer nachhaltigen Trendwende zu sprechen. Ein Teil des Anstiegs geht auf größere Einzelaufträge zurück, und Herausforderungen wie hohe Energiepreise, geopolitische Spannungen oder die Auswirkungen des Niedrigwassers auf den wichtigen Transportweg Rhein bleiben bestehen. Dennoch lohnt es sich, die positive Entwicklung wahrzunehmen. Wirtschaft lebt nicht nur von Zahlen, sondern auch von Zuversicht. Unternehmen investieren eher, wenn sie Vertrauen in die Zukunft haben. Beschäftigte gewinnen Sicherheit, wenn die Auftragsbücher wieder voller werden. Und Politik sollte gute Nachrichten ebenso ernst nehmen wie schlechte.

    Datum · Autor

  • Die Diskussion ist zurück. Unser Grundgesetz ist zum Thema Wehr- und Zivildienst eindeutig. Solange es nicht geändert wird – und danach sieht es derzeit nicht aus – würde ein erneuter verpflichtender Wehr- oder Zivildienst ausschließlich junge Männer betreffen. Gerade deshalb tragen Politik und Gesellschaft eine besondere Verantwortung.

    Wenn die Wehrpflicht wieder eingeführt wird, würde auch der Zivildienst zurückkehren. Viele reagieren darauf zunächst ablehnend. Das kann ich gut verstehen. Niemand hört das Wort Pflichtdienst gern. Es klingt nach Fremdbestimmung, nach verlorener Zeit und danach, dass andere über das eigene Leben entscheiden. Genau deshalb dürfen wir nicht zuerst darüber sprechen, ob ein Zivildienst kommt. Wir müssen darüber sprechen, wie er aussehen muss. Denn wenn junge Männer nach neun oder zwölf Monaten sagen: Das war eine der wichtigsten Erfahrungen meines Lebens. Ich würde es wieder machen – dann haben wir vieles richtig gemacht.

    Viele verbinden den früheren Zivildienst mit Krankenhäusern oder Altenheimen. Dort haben Generationen von jungen Männern wichtige Erfahrungen gemacht. Viele entdeckten zum ersten Mal, wie erfüllend die Arbeit mit Menschen sein kann. Nicht wenige entschieden sich später für einen Beruf im Gesundheits- oder Sozialwesen. Auch ich gehöre dazu. Doch unsere Gesellschaft hat sich verändert. Pflegeeinrichtungen arbeiten heute unter anderen Bedingungen als noch vor zwanzig Jahren. Deshalb reicht es nicht aus, den alten Zivildienst einfach wieder einzuführen.

    Datum · Autor

  • Die Diskussion um das neue Kita-Jahr wird derzeit vor allem entlang der Frage geführt, ob Nordrhein-Westfalen ausreichend Kitaplätze finanziert. Das ist wichtig. Aber zwei andere Fragen erscheinen mindestens ebenso entscheidend. Seit Jahren klagen Kommunen und Träger über den Mangel an Erzieherinnen und Erziehern. Gleichzeitig halten wir an einem Ausbildungs- und Qualifikationssystem fest, das in vielen Bereichen kaum noch zur Realität des Arbeitsmarktes passt. Dabei lohnt ein Blick in unsere Nachbarländer. In den Niederlanden, Dänemark oder Schweden arbeiten in Kindertageseinrichtungen längst multiprofessionelle Teams. Dort gibt es zwar ebenfalls pädagogische Fachkräfte mit Hochschul- oder Fachschulabschluss, gleichzeitig werden aber weitere Berufsgruppen gezielt eingebunden. Entscheidend ist weniger, dass alle den identischen Ausbildungsweg durchlaufen haben, sondern dass die Kompetenzen im Team stimmen und durch Fortbildung kontinuierlich weiterentwickelt werden. Deutschland verfolgt dagegen traditionell ein sehr starres Fachkraftsystem. Das hat über viele Jahre Qualität gesichert, doch unter den Bedingungen eines massiven Fachkräftemangels wird dieses System zunehmend selbst zum Problem.

    Datum · Autor

  • Es gibt Interviews, die liest man wegen der Schlagzeile. Und es gibt Interviews, bei denen eine ganz andere Botschaft hängen bleibt. So ging es mir beim lesen eines Interviews mit der neuen Bahnchefin Evelyn Palla, das man heute an verschiedenen Stellen lesen konnte.

    Natürlich ging es um verspätete Züge, Baustellen und unzufriedene Fahrgäste. Aber ein Satz hat mich aufhorchen lassen. Sie sprach von einer früheren „organisierten Verantwortungslosigkeit“. Ein hartes Urteil über den eigenen Konzern. Doch je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich: Das ist nicht nur ein Bahnproblem. Das ist eine Herausforderung vieler großer Organisationen – in Unternehmen, Verwaltungen, Schulen, Krankenhäusern und manchmal auch in der Politik. Zu oft wird Verantwortung zwischen verschiedenen Ebenen hin- und hergeschoben. Die einen entscheiden, die anderen sollen umsetzen. Wenn etwas nicht funktioniert, findet sich fast immer eine gute Erklärung. Am Ende fühlt sich niemand wirklich verantwortlich.

    Datum · Autor

  • Im ersten Beitrag zu diesem Thema ging es um die neue wissenschaftliche Erkenntnis, dass Kleingärten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung leisten. Doch was bedeutet das eigentlich für Hiltrup? Die Antwort überrascht: Unser Stadtbezirk verfügt über mehrere Kleingartenanlagen, die zusammen einen bedeutenden Teil des grünen Netzes bilden. Gemeinsam mit der Hohen Ward, dem Dortmund-Ems-Kanal, der Emmerbachaue und den zahlreichen Baumalleen prägen sie das Gesicht Hiltrups weit stärker, als vielen bewusst ist. Wer an einem Sommerabend durch eine Kleingartenanlage spaziert, erlebt den Unterschied sofort. Während sich Straßen und Parkplätze noch lange nach Sonnenuntergang aufheizen, ist die Luft zwischen Bäumen, Hecken und Gärten spürbar kühler. Das ist kein Zufall. Pflanzen verdunsten Wasser, beschatten den Boden und verhindern, dass sich große Flächen aufheizen. Gleichzeitig kann Regen dort versickern, anstatt sofort in die Kanalisation zu fließen. Gerade in Zeiten zunehmender Hitzewellen werden solche Flächen immer wertvoller. Sie sind natürliche Klimaanlagen – lautlos, emissionsfrei und dauerhaft.

    Wer noch das Bild des klassischen „Schrebergartens“ vor Augen hat, wird heute vielerorts überrascht sein. Natürlich wachsen dort weiterhin Tomaten, Bohnen oder Erdbeeren. Doch moderne Kleingartenanlagen sind längst viel mehr:
    • große Baumbestände, die Schatten spenden,
    • blühende Stauden für Wildbienen und Schmetterlinge,
    • Hecken als Lebensraum für Vögel,
    • Kompostflächen, auf denen wertvoller Humus entsteht,
    • Regenfässer, die Trinkwasser sparen,
    • und zahlreiche naturnahe Bereiche, in denen sich Tiere ungestört entwickeln können.

    Datum · Autor