Autor Hermann Geusendam-Wode

  • Die aktuelle Diskussion über die geplante Steuerreform zeigt ein grundsätzliches Problem der Bundes-Politik. Es geht längst nicht mehr nur um ein paar Euro mehr oder weniger Einkommensteuer. Entscheidend ist doch für die Meisten, was am Ende des Monats tatsächlich im Portemonnaie bleibt. Wenn einerseits von einer Entlastung gesprochen wird, gleichzeitig aber höhere Sozialversicherungsbeiträge, steigende Pflegekosten und weitere Belastungen angekündigt werden, fühlen sich viele Menschen nicht ernst genommen. Sie rechnen selbst nach – und stellen fest, dass die versprochene Entlastung oft deutlich kleiner ausfällt oder sogar ganz verschwindet. Ich halte das für einen politischen Fehler des Finanzministers.

    Die Bürgerinnen und Bürger wissen sehr genau, dass Deutschland vor großen Herausforderungen steht. Seit Jahren sprechen wir über den demografischen Wandel. Jetzt erleben wir seine Folgen: Immer weniger Erwerbstätige müssen für immer mehr Rentner, Pflegebedürftige und Gesundheitsleistungen aufkommen. Das überrascht eigentlich niemanden. Nach meiner Überzeugung wären viele Menschen durchaus bereit, ihren Beitrag zu leisten. Sie akzeptieren auch Mehrbelastungen – wenn diese offen erklärt werden, nachvollziehbar sind und als gerecht empfunden werden. Diese Transparenz und Offenheit vermisse ich.

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  • Manchmal habe ich den Eindruck, wir Babyboomer in NRW waren unser ganzes Leben lang vor allem eines: „Viele!*

    Damals schon zu viele für die Kindergärten. Es gab schlicht nicht genügend Plätze. Zu viele für die Schulen. Klassen mit mehr als 35 Schülerinnen und Schülern waren keine Seltenheit. Lehrermangel? Den kannten wir lange bevor das Wort wieder modern wurde. Unterrichtsausfall gehörte zum Stundenplan, dafür ging es selbstverständlich auch samstags in die Schule. Manche Lehrer erzählten uns mehr vom Krieg als vom Lehrplan – sie hatten ihn schließlich selbst erlebt.
    Nach der Schule warteten keine offenen Arme der Arbeitgeber. Wer eine Lehrstelle oder einen Job wollte, schrieb Bewerbung um Bewerbung. Mit der Olympia-Schreibmaschine. Und wehe, nach zwei Tipp-Ex-Korrekturen war noch ein Fehler auf der Seite. Dann hieß es: Blatt heraus, neues Papier einspannen und von vorne beginnen.

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  • Wenn wir an das Autofahren früher denken, fallen uns oft die schönen Seiten ein. Weniger Verkehr, kurvenreiche Straßen, kaum Staus. Man fuhr einfach los.
    Was wir dagegen leicht vergessen: Autofahren war deutlich gefährlicher.

    In den 1970er-Jahren starben Jahr für Jahr mehr als 20.000 Menschen auf Deutschlands Straßen. Besonders Landstraßen galten als gefährlich. Schmale Fahrbahnen, Bäume direkt am Straßenrand, unübersichtliche Kreuzungen und hohe Geschwindigkeiten führten immer wieder zu schweren Unfällen. Fast jede Familie kannte jemanden, der bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam oder schwer verletzt wurde. Auch im Münsterland gehörten tödliche Unfälle auf Bundes- und Landstraßen leider viel zu oft zu den Schlagzeilen. Heute sieht das glücklicherweise anders aus.

    Obwohl heute deutlich mehr Menschen unterwegs sind und wesentlich mehr Fahrzeuge zugelassen sind, ist die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland auf rund 2.700 pro Jahr zurückgegangen. Moderne Fahrzeuge mit Airbags, ABS, ESP und Notbremsassistenten, bessere Straßen, Kreisverkehre, konsequentere Rettungsketten und strengere Verkehrsregeln haben tausende Menschenleben gerettet. Das ist einer der größten, aber oft übersehenen Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte. Dennoch sollten wir uns nicht zurücklehnen.

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  • Die aktuelle Diskussion über notwendige Einsparungen im Bundeshaushalt trifft wieder einmal ausgerechnet die Menschen, die ohnehin wenig haben. Ich finde, es fehlt an Ideen, wo man besser sparen kann. Dabei lohnt sich ein Blick auf die Frage: Wie viel Geld verschlingt eigentlich die Verwaltung der Sozialleistungen?

    Nehmen wir das Beispiel einer alleinerziehenden Mutter in Münster. Sie arbeitet geringfügig im Einzelhandel und hat zwei Kinder in Kindergarten und Grundschule. Sie muss – je nach persönlicher Situation – häufig mit einer Vielzahl unterschiedlicher Leistungen und Behörden umgehen:
    • Bürgergeld
    • Kindergeld
    • Wohngeld
    • Unterhaltsvorschuss
    • Zuschüsse zu den Kita-Beiträgen
    • Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (z. B. Mittagessen, Klassenfahrten oder Vereinsbeiträge)
    • Übernahme von Unterkunfts- und Heizkosten
    • Förderleistungen für Weiterbildung oder Arbeitsaufnahme
    • gegebenenfalls weitere kommunale Unterstützungsangebote

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  • Wer in Deutschland den Autoführerschein machen will, muss inzwischen oft mehrere tausend Euro einplanen. Das ist für viele junge Menschen eine erhebliche Hürde, besonders dort, wo Bus und Bahn keine verlässliche Alternative sind. Doch der Blick in europäische Nachbarländer zeigt: Deutschland ist mit seinen Preisen nicht unbedingt ein Ausreißer. Die Kosten für Fahrschule und Prüfungen sind in Deutschland zuletzt stärker gestiegen als die allgemeine Inflation. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts verteuerten sich Fahrschulleistungen und Prüfungen 2024 gegenüber dem Vorjahr um 5,8 Prozent. Die allgemeinen Verbraucherpreise stiegen im selben Zeitraum deutlich langsamer. Als Gründe gelten höhere Personal-, Fahrzeug- und Kraftstoffkosten. Besonders teuer wird es, wenn viele zusätzliche Übungsstunden nötig werden oder Prüfungen wiederholt werden müssen.

    Eine pauschale Summe gibt es allerdings nicht. Je nach Region, Fahrschule und individuellem Lernfortschritt liegen die Gesamtkosten für Klasse B meist zwischen 2.500 und 3.500 Euro, in Einzelfällen deutlich darüber. In Städten sind mehr Fahrstunden häufig unvermeidlich: dichter Verkehr, Radverkehr, komplizierte Kreuzungen und Parksituationen erhöhen den Übungsbedarf. Auf dem Land ist die Ausbildung zwar nicht automatisch günstig, oft aber weniger zeitaufwendig. Trotzdem ist die verbreitete Aussage, der deutsche Führerschein sei im europäischen Vergleich besonders teuer, nur die halbe Wahrheit.

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