Die jüngsten Quartalszahlen der großen Ölkonzerne zeigen einmal mehr, wie viel Geld mit fossilen Energieträgern verdient wird. Während Kriege, politische Krisen und Hitzewellen weltweit die Schlagzeilen bestimmen, haben acht der größten Ölkonzerne zwischen April und Juni zusammengerechnet rund 93 Milliarden US-Dollar Gewinn erzielt – fast doppelt so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Diese Zahlen sind kein Zufall. Sie zeigen vor allem eines: Solange unsere Wirtschaft und unser Alltag von Öl und Gas abhängig bleiben, fließen enorme Summen an wenige internationale Konzerne. Mit wirtschaftlicher Stärke wächst zwangsläufig auch politischer Einfluss. Die fossile Industrie gehört seit Jahrzehnten zu den einflussreichsten Lobbygruppen der Welt. Sie setzt sich verständlicherweise für ihre Geschäftsmodelle ein – doch diese Interessen decken sich nicht immer mit den langfristigen Interessen unserer Gesellschaft.
Vor gar nicht so langer Zeit blickten viele Kleingartenvereine mit Sorge in die Zukunft. Frei werdende Parzellen blieben teilweise über Monate unbesetzt, Vorstände suchten händeringend nach neuen Pächtern und mancher fragte sich, ob das klassische Kleingartenwesen überhaupt noch eine Zukunft habe.
Heute hat sich das Bild vielerorts grundlegend verändert. In zahlreichen Vereinen gibt es wieder Wartelisten. Frei werdende Parzellen sind oft innerhalb kurzer Zeit neu vergeben. Was ist passiert?
Ein wesentlicher Grund liegt auf der Hand: Wohneigentum ist für viele Familien deutlich teurer geworden. Ein Einfamilienhaus mit großem Garten bleibt für viele ein Wunschtraum. Der Kleingarten bietet eine Alternative. Er ermöglicht den Zugang zu einem eigenen Stück Natur – bezahlbar, überschaubar und oft nur wenige Minuten von der Wohnung entfernt. Gerade Familien mit Kindern entdecken wieder den Wert eines Gartens. Hier können Kinder spielen, Pflanzen wachsen sehen und erleben, dass Erdbeeren nicht im Supermarkt entstehen.
Deutschland diskutiert über den Wohnungsmangel. Gleichzeitig stehen immer mehr Büroflächen leer oder werden in den kommenden Jahren frei. Was auf den ersten Blick wie zwei voneinander unabhängige Entwicklungen aussieht, könnte sich gerade für Münster als große Chance erweisen. Eine ARD-Reportage beschäftigt sich in diesen Tagen mit genau diesem Thema: der Umwandlung leerstehender Bürogebäude in Wohnraum. Während vielerorts noch darüber diskutiert wird, könnte Münster bereits in einer besonderen Ausgangsposition sein. Mit dem Bau des Stadthauses 4 entstehen moderne Arbeitsplätze für die Stadtverwaltung. Gleichzeitig werden nach und nach bislang angemietete Büroflächen nicht mehr benötigt. Parallel wächst am Dreieckshafen das neue KontorQuartier mit einem markanten Hochhaus und mehreren weiteren Bürogebäuden. Ein Teil der Flächen wird vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe genutzt, ein erheblicher Teil steht aber auch anderen Unternehmen zur Verfügung.
Für den Büromarkt bedeuten diese Projekte Bewegung, denn Unternehmen ziehen bevorzugt in moderne, energieeffiziente Gebäude. Dadurch können ältere Bürohäuser leer werden oder sich zumindest schwerer vermieten lassen. Was für Eigentümer zunächst eine Herausforderung ist, könnte für den Wohnungsmarkt eine große Chance sein. Münster leidet seit Jahren unter einem angespannten Wohnungsmarkt. Neue Baugebiete sind wichtig, sie benötigen aber viele Jahre Planung und erschließen immer neue Flächen. Gleichzeitig existieren in der Stadt Gebäude, deren ursprüngliche Nutzung möglicherweise ausläuft oder sich grundlegend verändert.
Ich gehöre noch zu der Generation, die ganz ohne Führerschein Mofa fahren durfte. Das Mofa war damals das, was heute der E-Scooter ist: Freiheit auf zwei Rädern, Treffpunkt der Jugend, ein Stück Unabhängigkeit. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 25 km/h. Uns wurde erklärt, alles darüber sei zu gefährlich. Gleich hinter der Grenze in den Niederlanden waren jedoch 40 km/h erlaubt. Das machte die deutsche Begründung für uns damals nicht gerade überzeugender, zumal wir in Enschede alle Teile kaufen konnten, um unsere „Brommer“ zu frisieren.
Wenn ich heute die E-Scooter sehe, wundert mich das hohe Unfallrisiko allerdings überhaupt nicht. Winzige Räder, die schon an kleinen Bordsteinen oder Schlaglöchern an ihre Grenzen kommen. Dazu eine stehende Fahrposition mit einem extrem hohen Schwerpunkt. Wer abrupt bremsen muss oder mit dem Vorderrad hängen bleibt, wird im wahrsten Sinne des Wortes über den Lenker katapultiert. Genau das bestätigt jetzt auch eine große britische Studie mit über 38.000 ausgewerteten Datensätzen zu Scooter Unfällen. Das Ergebnis ist alarmierend: E-Scooter-Fahrer erleiden deutlich häufiger schwere Kopfverletzungen als Motorrad- oder Radfahrer. Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche. Fast niemand trägt einen Helm.
In den nächsten Monaten wird viel darüber gesprochen werden, wer Frank-Walter Steinmeier als Bundespräsident oder Bundespräsidentin nachfolgen soll: Wer soll Staatsoberhaupt werden? Mir kommt dabei der Gedanke: Vielleicht stellen wir manchmal die falsche Frage. Wir diskutieren über Namen, Parteien, Regionen (Nord/Süd/West/Ost) oder darüber, ob nun endlich eine Frau das höchste Staatsamt übernehmen sollte. Das alles hat seine Berechtigung. Aber viel wichtiger erscheint mir eine andere Frage: Wonach sehnen wir uns eigentlich?
Ich glaube, viele Menschen wünschen sich wieder Persönlichkeiten, die Orientierung geben. Menschen, die nicht bei jeder Gelegenheit den lautesten Applaus suchen, sondern Vertrauen schaffen. Die zuhören können. Die Widersprüche aushalten. Die Brücken bauen, statt Gräben zu vertiefen. Autorität entsteht nicht durch ein Amt. Sie entsteht durch Haltung. Vielleicht ist genau das der Grund, warum sich viele heute gut vorstellen können, dass erstmals eine Frau Bundespräsidentin wird. Nicht als Symbol oder Quote. Sondern weil wir längst erlebt haben, dass Führungsstärke viele Gesichter haben kann. Wer Verantwortung übernimmt, Entscheidungen trifft und dabei Menschen mitnimmt, überzeugt durch Persönlichkeit – nicht durch sein Geschlecht.
Unsere Demokratie lebt davon, dass wir unterschiedliche Meinungen haben. Aber sie lebt ebenso davon, dass es Menschen gibt, die uns immer wieder daran erinnern, was uns verbindet. Gerade in einer Zeit, in der vieles lauter, schneller und unversöhnlicher geworden ist, wünsche ich mir ein Staatsoberhaupt, das Gelassenheit ausstrahlt. Jemanden, der nicht jedes Problem lösen muss, aber Hoffnung geben kann. Vielleicht ist das die wichtigste Aufgabe überhaupt.
Zwischen all den Schlagzeilen über Krisen, Konflikte und wirtschaftliche Unsicherheiten gibt es auch Nachrichten, die Mut machen. Die deutsche Industrie hat im Juni deutlich mehr neue Aufträge erhalten als von den meisten Fachleuten erwartet. Besonders Unternehmen aus dem Maschinenbau, der Elektronikbranche und der Fahrzeugindustrie konnten spürbare Zuwächse verzeichnen. Das ist ein wichtiges Signal, denn neue Aufträge sind die Grundlage für Produktion, Investitionen und Arbeitsplätze.
Natürlich wäre es verfrüht, schon von einer nachhaltigen Trendwende zu sprechen. Ein Teil des Anstiegs geht auf größere Einzelaufträge zurück, und Herausforderungen wie hohe Energiepreise, geopolitische Spannungen oder die Auswirkungen des Niedrigwassers auf den wichtigen Transportweg Rhein bleiben bestehen. Dennoch lohnt es sich, die positive Entwicklung wahrzunehmen. Wirtschaft lebt nicht nur von Zahlen, sondern auch von Zuversicht. Unternehmen investieren eher, wenn sie Vertrauen in die Zukunft haben. Beschäftigte gewinnen Sicherheit, wenn die Auftragsbücher wieder voller werden. Und Politik sollte gute Nachrichten ebenso ernst nehmen wie schlechte.
Die Diskussion ist zurück. Unser Grundgesetz ist zum Thema Wehr- und Zivildienst eindeutig. Solange es nicht geändert wird – und danach sieht es derzeit nicht aus – würde ein erneuter verpflichtender Wehr- oder Zivildienst ausschließlich junge Männer betreffen. Gerade deshalb tragen Politik und Gesellschaft eine besondere Verantwortung.
Wenn die Wehrpflicht wieder eingeführt wird, würde auch der Zivildienst zurückkehren. Viele reagieren darauf zunächst ablehnend. Das kann ich gut verstehen. Niemand hört das Wort Pflichtdienst gern. Es klingt nach Fremdbestimmung, nach verlorener Zeit und danach, dass andere über das eigene Leben entscheiden. Genau deshalb dürfen wir nicht zuerst darüber sprechen, ob ein Zivildienst kommt. Wir müssen darüber sprechen, wie er aussehen muss. Denn wenn junge Männer nach neun oder zwölf Monaten sagen: Das war eine der wichtigsten Erfahrungen meines Lebens. Ich würde es wieder machen – dann haben wir vieles richtig gemacht.
Viele verbinden den früheren Zivildienst mit Krankenhäusern oder Altenheimen. Dort haben Generationen von jungen Männern wichtige Erfahrungen gemacht. Viele entdeckten zum ersten Mal, wie erfüllend die Arbeit mit Menschen sein kann. Nicht wenige entschieden sich später für einen Beruf im Gesundheits- oder Sozialwesen. Auch ich gehöre dazu. Doch unsere Gesellschaft hat sich verändert. Pflegeeinrichtungen arbeiten heute unter anderen Bedingungen als noch vor zwanzig Jahren. Deshalb reicht es nicht aus, den alten Zivildienst einfach wieder einzuführen.
Die Diskussion um das neue Kita-Jahr wird derzeit vor allem entlang der Frage geführt, ob Nordrhein-Westfalen ausreichend Kitaplätze finanziert. Das ist wichtig. Aber zwei andere Fragen erscheinen mindestens ebenso entscheidend. Seit Jahren klagen Kommunen und Träger über den Mangel an Erzieherinnen und Erziehern. Gleichzeitig halten wir an einem Ausbildungs- und Qualifikationssystem fest, das in vielen Bereichen kaum noch zur Realität des Arbeitsmarktes passt. Dabei lohnt ein Blick in unsere Nachbarländer. In den Niederlanden, Dänemark oder Schweden arbeiten in Kindertageseinrichtungen längst multiprofessionelle Teams. Dort gibt es zwar ebenfalls pädagogische Fachkräfte mit Hochschul- oder Fachschulabschluss, gleichzeitig werden aber weitere Berufsgruppen gezielt eingebunden. Entscheidend ist weniger, dass alle den identischen Ausbildungsweg durchlaufen haben, sondern dass die Kompetenzen im Team stimmen und durch Fortbildung kontinuierlich weiterentwickelt werden. Deutschland verfolgt dagegen traditionell ein sehr starres Fachkraftsystem. Das hat über viele Jahre Qualität gesichert, doch unter den Bedingungen eines massiven Fachkräftemangels wird dieses System zunehmend selbst zum Problem.
Es gibt Interviews, die liest man wegen der Schlagzeile. Und es gibt Interviews, bei denen eine ganz andere Botschaft hängen bleibt. So ging es mir beim lesen eines Interviews mit der neuen Bahnchefin Evelyn Palla, das man heute an verschiedenen Stellen lesen konnte.
Natürlich ging es um verspätete Züge, Baustellen und unzufriedene Fahrgäste. Aber ein Satz hat mich aufhorchen lassen. Sie sprach von einer früheren „organisierten Verantwortungslosigkeit“. Ein hartes Urteil über den eigenen Konzern. Doch je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich: Das ist nicht nur ein Bahnproblem. Das ist eine Herausforderung vieler großer Organisationen – in Unternehmen, Verwaltungen, Schulen, Krankenhäusern und manchmal auch in der Politik. Zu oft wird Verantwortung zwischen verschiedenen Ebenen hin- und hergeschoben. Die einen entscheiden, die anderen sollen umsetzen. Wenn etwas nicht funktioniert, findet sich fast immer eine gute Erklärung. Am Ende fühlt sich niemand wirklich verantwortlich.
Im ersten Beitrag zu diesem Thema ging es um die neue wissenschaftliche Erkenntnis, dass Kleingärten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung leisten. Doch was bedeutet das eigentlich für Hiltrup? Die Antwort überrascht: Unser Stadtbezirk verfügt über mehrere Kleingartenanlagen, die zusammen einen bedeutenden Teil des grünen Netzes bilden. Gemeinsam mit der Hohen Ward, dem Dortmund-Ems-Kanal, der Emmerbachaue und den zahlreichen Baumalleen prägen sie das Gesicht Hiltrups weit stärker, als vielen bewusst ist. Wer an einem Sommerabend durch eine Kleingartenanlage spaziert, erlebt den Unterschied sofort. Während sich Straßen und Parkplätze noch lange nach Sonnenuntergang aufheizen, ist die Luft zwischen Bäumen, Hecken und Gärten spürbar kühler. Das ist kein Zufall. Pflanzen verdunsten Wasser, beschatten den Boden und verhindern, dass sich große Flächen aufheizen. Gleichzeitig kann Regen dort versickern, anstatt sofort in die Kanalisation zu fließen. Gerade in Zeiten zunehmender Hitzewellen werden solche Flächen immer wertvoller. Sie sind natürliche Klimaanlagen – lautlos, emissionsfrei und dauerhaft.
Wer noch das Bild des klassischen „Schrebergartens“ vor Augen hat, wird heute vielerorts überrascht sein. Natürlich wachsen dort weiterhin Tomaten, Bohnen oder Erdbeeren. Doch moderne Kleingartenanlagen sind längst viel mehr:
große Baumbestände, die Schatten spenden,
blühende Stauden für Wildbienen und Schmetterlinge,
Hecken als Lebensraum für Vögel,
Kompostflächen, auf denen wertvoller Humus entsteht,
Regenfässer, die Trinkwasser sparen,
und zahlreiche naturnahe Bereiche, in denen sich Tiere ungestört entwickeln können.