Wer in diesen Tagen die Nachrichten verfolgt, bekommt leicht den Eindruck: Die Nervosität in der SPD nimmt zu. Aus allen Richtungen kommen Wortmeldungen, Forderungen und Vorschläge, was sich in der Partei ändern müsse. Viele davon sind berechtigt. Manche widersprechen sich. Und manches wirkt inzwischen wie eine öffentliche Selbstbeschäftigung einer Partei, die dringend wieder über ihre Zukunft reden müsste.
Ich meine, die Lage ist ernster, als wir sie vielleicht wahrnehmen. Dazu gehört zunächst eine unbequeme Erkenntnis: Ich glaube, dass wir die Dimension der gegenwärtigen Situation noch nicht vollständig erfasst haben. Deutschland hat gleichzeitig mit einer schwachen wirtschaftlichen Dynamik, hohen Energiepreisen, zunehmendem internationalen Wettbewerbsdruck, geopolitischen Risiken, demografischen Veränderungen, einer angespannten Sicherheitslage, einer überforderten öffentlichen Infrastruktur und einer wachsenden Belastung der sozialen Sicherungssysteme zu kämpfen. Und wir haben uns in den vergangenen Jahren daran gewöhnt, einen Teil dieser Probleme durch zusätzliche staatliche Ausgaben abzufedern. Das war in Krisen teilweise richtig und notwendig. Aber Schulden lösen ein Problem nicht. Sie verschieben seine Rechnung.
Die deutsche Staatsverschuldung ist 2025 um 144 Milliarden Euro auf rund 2,84 Billionen Euro gestiegen; die Schuldenquote erhöhte sich auf 63,5 Prozent.
Da droht noch kein Staatsbankrott, aber es zeigt, dass wir uns nicht dauerhaft aus jeder schwierigen Situation herausfinanzieren können. Genau deshalb sollten man auch den heutigen Brandbrief von Vertretern der Metall- und Elektroindustrie ernst nehmen. Darin warnen Unternehmen und Wirtschaftsverbände vor hohen Energiekosten, internationalem Wettbewerbsdruck und steigenden Belastungen und fordern unter anderem schnelle Reformen bei den Sozialabgaben. Zwar hat auch die Industrie nicht automatisch auf jede Frage die richtige Antwort, aber wenn Unternehmen, die in Deutschland investieren, Arbeitsplätze schaffen und international konkurrieren, so deutlich sagen, dass die Belastungsgrenze näherkommt, sollten wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten das nicht einfach als Lobbyismus abtun. Wir sollten zuhören.
Für meine Generation war ein eigenes Auto zunächst ein Traum. Nicht irgendein Traum, sondern ein ziemlich großer. Ein Auto bedeutete Freiheit: Man konnte einfach losfahren, musste nicht mehr auf den Bus warten und war plötzlich unabhängig. Für viele von uns war der Kauf des ersten Autos eine gewaltige Anschaffung – oft verschlang ein Kleinwagen einen erheblichen Teil des Jahreseinkommens. Und dann stand er vor der Tür: der Käfer, der Kadett, der R4 der Ford 12 M. Man war stolz. Was wir damals weniger wahrgenommen haben: Diese Autos waren erstaunlich unsicher. Keine Knautschzonen, wie wir sie heute kennen. Keine Airbags. Keine elektronischen Stabilitätsprogramme. Keine Kopfstützen. Sicherheitsgurte waren zunächst längst nicht selbstverständlich.
Vielleicht erinnert sich noch jemand an die Fahrschule. Das Fahrschulauto war häufig ein relativ neuer Wagen – und plötzlich saß man in einem Auto, das Dinge hatte, die man aus dem eigenen Familienwagen gar nicht kannte: Kopfstützen und Dreipunktgurte die man jedes mal neu einstellen musste. Man gewöhnte sich daran. Aber nicht unbedingt freiwillig. Als die ersten Sicherheitsgurte Pflicht wurden, gab es Widerstand. Warum sollte man sich während der Fahrt „festbinden“? Das sei unbequem. Man könne sich bei einem Unfall vielleicht nicht mehr befreien. Und überhaupt: Man fahre schließlich vorsichtig.
Die freiwillige Gurtbenutzung funktionierte nicht ausreichend. Also wurde die Pflicht eingeführt – zunächst auf den Vordersitzen, später auch hinten. Heute erscheint uns das selbstverständlich.
Auszubildende sind kein Problem – sie sind unsere Zukunft
Der neue Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbunds ist alarmierend: Jeder zweite Auszubildende fühlt sich psychisch belastet. Die Zufriedenheit mit der Ausbildung sinkt. Überstunden, ausbildungsfremde Tätigkeiten, fehlende Betreuung und schlechte Kommunikation gehören zu den Problemen, von denen junge Menschen berichten.
Die Zahlen sollte man ernst nehmen. Die Befragung ist umfangreich und methodisch solide. Und die Probleme sind real.
Aber man kann einen solchen Report auf unterschiedliche Weise lesen. Man kann ihn als Anklage gegen die Ausbildungsbetriebe verstehen. Oder als weiteren Beleg dafür, dass die junge Generation immer weniger belastbar sei. Ich glaube, beides greift zu kurz. Denn hinter den Zahlen steckt eine viel interessantere Frage: Was passiert eigentlich, wenn eine veränderte junge Generation auf eine Arbeitswelt trifft, die sich selbst ebenfalls verändert hat?
Natürlich waren Jugendliche schon immer anders als die Generation vor ihnen. Das ist nichts Neues. Aber die Lebenswelt hat sich verändert. Viele junge Menschen wachsen heute mit weniger Geschwistern auf, bekommen viel Aufmerksamkeit und werden stärker begleitet. Eltern greifen häufiger ein, wenn es schwierig wird. Lob und positive Verstärkung spielen eine größere Rolle. Gleichzeitig haben soziale Medien eine Welt geschaffen, in der Schwächen möglichst nicht gezeigt werden. Das ist nicht automatisch schlecht. Aber junge Menschen bringen dadurch teilweise andere Erfahrungen mit, wenn sie in eine Ausbildung kommen. Dort gelten plötzlich andere Regeln. Man muss morgens zuverlässig erscheinen. Acht Stunden Arbeit können körperlich anstrengend sein. Man muss sich konzentrieren, auch wenn man gerade keine Lust dazu hat. Man muss warten, bis man an der Reihe ist. Kritik aushalten. Sich in ein Team einfügen. Aufgaben erledigen, deren Sinn man vielleicht noch nicht versteht. Und manchmal auch etwas tun, was schlicht keinen Spaß macht. Das muss man lernen. Manche müssen sogar lernen, sich selbst realistisch einzuschätzen.
Der immer schneller steigende Schuldenberg der USA klingt zunächst nach einem Problem weit weg. Ist es aber nicht. Was in Washington, an den Finanzmärkten und mit dem Dollar passiert, kann auch unseren Alltag und die Handlungsmöglichkeiten Deutschlands und Europas beeinflussen. Viele Menschen werden den Handelsblatt-Kommentar über die „große Schuldenlüge der USA“ wahrscheinlich überblättern. Zu kompliziert, zu weit weg, zu viel Finanzpolitik. Dabei steckt dahinter eine Entwicklung, die uns alle interessieren sollte.
Die USA leben seit vielen Jahren auf großem Fuß. Der Staat gibt mehr Geld aus, als er einnimmt, und finanziert die Differenz über neue Schulden. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Auch Staaten können sich verschulden. Entscheidend ist, ob ihre Wirtschaft stark genug wächst und ob die Kosten für die Schulden beherrschbar bleiben. Genau hier wird es inzwischen interessant. Die USA müssen inzwischen für langfristige Staatsanleihen wieder mehr als fünf Prozent Zinsen bieten. Das klingt zunächst vielleicht nicht dramatisch. Bei einem einzelnen Kredit wäre es das auch nicht, aber die USA haben einen Schuldenberg von inzwischen mehr als 40 Billionen Dollar >>> 40.000.000.000.000 (Vierzig Billionen)
Natürlich wird nicht die gesamte Summe gleichzeitig zu fünf Prozent neu verzinst. Die alten Anleihen laufen zu unterschiedlichen Zeiten aus und werden nach und nach ersetzt. Trotzdem steigt mit jedem Refinanzierungsschritt der Anteil der Schulden, für den höhere Zinsen bezahlt werden müssen. Und damit entsteht ein unangenehmer Kreislauf: Mehr Schulden bedeuten mehr Zinsen. Mehr Zinsen bedeuten höhere Staatsausgaben. Höhere Ausgaben bedeuten neue Schulden. Und neue Schulden können wiederum zu höheren Zinsen führen. Noch droht keine unmittelbare Staatspleite, die USA können ihre Schulden weiterhin bedienen. Aber die finanzielle Bewegungsfreiheit des Staates wird kleiner, auch wenn der Präsident das nicht wahrhaben will.
Wer erinnert sich noch an diese Sommer? Die Fenster standen weit offen. Auf der Straße knatterten Mofas, irgendwo tuckerte ein alter Diesel vor sich hin und wenn ein Bus vorbeifuhr, zog eine Abgaswolke hinterher. Und Zigarettenrauch, den gab es fast überallt. Er gehörte einfach dazu. Im Wohnzimmer, im Restaurant, in der Kneipe, im Büro, im Zug und sogar in manchen Wartezimmern wurde geraucht. Alte Filme wirken heute manchmal wie Dokumentationen aus einer anderen Welt: Fast überall sitzt jemand mit einer Zigarette in der Hand. Dicken Zigarrenrauch mochte auch damals niemand besonders. Man verzog das Gesicht, machte vielleicht das Fenster auf – und ertrug es trotzdem. Denn es war normal.
Wir waren Kinder. Wir spielten draußen, fuhren Fahrrad und verbrachten ganze Nachmittage auf der Straße oder am Kanal. Und wenn die Luft nach Benzin, Abgasen, Rauch oder manchmal auch nach Industrie roch, dachte kaum jemand darüber nach, was wir da eigentlich einatmeten. Heute würden wir das vermutlich anders sehen. Und das ist eine ziemlich gute Nachricht. Denn die Luftbelastung ist in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten erheblich zurückgegangen. Das Umweltbundesamt dokumentiert deutliche Verbesserungen bei zahlreichen Luftschadstoffen. Besonders bei Feinstaub und Stickstoffdioxid sind die Belastungen stark gesunken. Auch Münster ist dafür ein gutes Beispiel.
Die Stadt hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen zur Luftreinhaltung umgesetzt. Dazu gehören unter anderem strengere Umweltzonenregelungen, abgasärmere Busse, Veränderungen der Verkehrsführung und die Förderung von Radverkehr und öffentlichem Nahverkehr. Der Jahresgrenzwert für Stickstoffdioxid von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter wird in Münster seit 2017 an allen Messstationen eingehalten. Und die aktuellen Messwerte zeigen, wie groß der Unterschied inzwischen ist: An der verkehrsnahen Messstation an der Weseler Straße lag der Jahresmittelwert 2024 bei 18 Mikrogramm Stickstoffdioxid, 15 Mikrogramm PM10 und 10 Mikrogramm PM2,5. Natürlich ist damit nicht alles gut. Luftschadstoffe bleiben gesundheitlich relevant und gerade der Verkehr verursacht weiterhin Belastungen.
Ein Praxischeck des WDR zeigt: Münster hat beim Hitzeschutz einiges auf den Weg gebracht. Doch wer einmal die Innenstadt verlässt und vor die eigene Haustür schaut, erkennt schnell: Von einer wirklich hitzeresilienten Stadt sind wir noch ein gutes Stück entfernt.
Münster hat einen Hitzeaktionsplan. Das ist zunächst einmal eine gute Nachricht. Als einzige Kommune im Münsterland hat die Stadt einen konkreten Plan gegen die gesundheitlichen Folgen zunehmender Hitze. Der Plan wurde 2024 veröffentlicht und umfasst zwölf Maßnahmen. Auch der aktuelle Praxischeck des WDR fällt keineswegs vernichtend aus. Der „Coole Stadtplan für heiße Tage“ funktioniert, kühle Orte und Refill-Stationen lassen sich finden. Es gibt also durchaus Dinge, die bereits funktionieren. Aber ebenso deutlich wird: Manche Maßnahmen existieren bisher nur auf dem Papier oder sind noch nicht vollständig umgesetzt. Hitze-Infomobil, Hitzetelefon und Hitzepatenschaften für ältere Menschen fehlen beispielsweise noch.
Das führt zu einer interessanten Frage: Münster hat einen Hitzeaktionsplan. Aber ist Münster deshalb schon hitzeresilient?
Ich vermute: Nein. Dafür muss man nicht einmal in die Innenstadt fahren. Ein Blick vor die eigene Haustür in Hiltrup reicht.
Natürlich haben wir einen großen Vorteil: Den Dortmund-Ems-Kanal. Ein riesiges „Freibad“, auch wenn man dort natürlich nicht schwimmen sollte. Und wir haben unser Freibad. Das sind schöne Möglichkeiten, sich an heißen Tagen aufzuhalten. Aber Hitzeresilienz besteht nicht darin, dass es irgendwo Wasser gibt. Sie entscheidet sich dort, wo Menschen ihren Alltag verbringen.
In unseren Schulen zum Beispiel. Was passiert, wenn sich Klassenräume und Gebäude an mehreren aufeinanderfolgenden heißen Tagen immer weiter aufheizen? Schulen und Krankenhaus in Hiltrup verfügen nicht über eine Klimaanlagen. Das mag unter normalen Bedingungen kein Problem sein. Bei zunehmenden Hitzewellen müssen wir aber darüber nachdenken, ob unsere Gebäude für die Zukunft noch geeignet sind. Auch die Schulhöfe und Aussenbereiche der Kindertagesstätten sind ein Thema. Wo sind die schattigen, grünen Bereiche, in denen Kinder spielen können, ohne stundenlang der Sonne ausgesetzt zu sein? Wo sind Bäume, begrünte Innenhöfe und Flächen, die Wasser aufnehmen und durch Verdunstung zur Abkühlung beitragen? Das sind keine Luxusfragen. Das ist Klimaanpassung.
Niemand steht Schlange, um Teil der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden. Für die Europäische Union ist das anders. Vor den Toren der EU stehen seit Jahren Länder, die Mitglied werden wollen. Manche warten geduldig, andere drängen, wieder andere müssen noch viele Voraussetzungen erfüllen. Aber der Wunsch ist da.
Ich finde, wir sollten uns viel öfter fragen, warum das eigentlich so ist. Denn wenn wir über die Europäische Union sprechen, reden wir meistens über ihre Probleme: über komplizierte Verfahren, Streit zwischen Mitgliedstaaten, Haushaltsfragen, Migration, Bürokratie oder darüber, dass Brüssel angeblich alles regeln will. Das alles gibt es. Und manches davon muss sich dringend ändern. Aber manchmal habe ich den Eindruck, dass wir dabei vergessen, was für ein außergewöhnliches Projekt die Europäische Union eigentlich ist.
Auch wenn ich die Wahl hätte, ich möchte nirgendwo anders leben als in Europa. Nicht, weil hier alles perfekt wäre. Das ist es selbstverständlich nicht. Aber wo sonst findet man eine Gemeinschaft von mehr als 400 Millionen Menschen, in der Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und soziale Verantwortung so selbstverständlich miteinander verbunden sind? Europa steht für freie Wahlen, unabhängige Gerichte, Meinungsfreiheit, Arbeitnehmerrechte, Verbraucherschutz und soziale Sicherung. Wir haben überall in Europa Gesundheits- und Sozialsysteme, die – bei allen Unterschieden und allen Problemen – davon ausgehen, dass ein Mensch nicht einfach sich selbst überlassen werden darf, wenn er krank, alt, arbeitslos oder pflegebedürftig wird. Auf diesem Planeten ist das keine Selbstverständlichkeit. Und vielleicht sollten wir genau deshalb etwas selbstbewusster über Europa sprechen.
Manchmal lässt sich eine politische Debatte auf einen einzigen Satz reduzieren: Gegen Regenmangel hilft kein Baggern.
Das klingt zunächst banal. Ist es aber offenbar nicht. Denn wenn Wasser knapp wird, Flüsse Niedrigwasser führen und Böden austrocknen, ist die Versuchung groß, nach einer technischen Lösung zu suchen. Irgendwo muss doch etwas gebaut, gestaut, vertieft, verbreitert oder ausgebaggert werden können. Und tatsächlich: Große Bagger sind gut sichtbar! Sie schaffen Bilder. Sie vermitteln den Eindruck: Da passiert etwas. Da packt jemand an. Nur leider bedeutet „etwas tun“ nicht automatisch, dass man das Problem löst.
Der Klimawandel ist keine Prognose mehr! Wir sollten uns deshalb endlich von einer Vorstellung verabschieden, die unsere politische Debatte immer wieder prägt: dass wir den Klimawandel irgendwann verhindern könnten, indem wir nur die richtige Maßnahme beschließen. Die Erderwärmung ist Realität, wie wir gerade täglich in ganz Europa merken. Sie zeigt sich in steigenden Durchschnittstemperaturen, häufigeren Hitzeperioden, veränderten Niederschlagsmustern und längeren Trockenphasen. Das Umweltbundesamt weist auch in diesem Jahr auf regional erhebliche Trockenheit und Dürre hin.
Natürlich müssen wir weiterhin alles daransetzen, die Erderwärmung zu begrenzen. CO₂ einzusparen bleibt unverzichtbar. Aber selbst wenn wir heute weltweit sofort auf einen konsequenten Klimaschutzkurs einschwenken würden, würde sich unser Klima nicht morgen wieder auf den Zustand von 1970 zurückstellen.
Wir müssen deshalb zweigleisig fahren: Klimaschutz und Klimaanpassung. Das eine verhindert, dass das Problem immer größer wird. Das andere sorgt dafür, dass wir mit den Veränderungen, die bereits da sind und die uns noch bevorstehen, möglichst gut umgehen können.
Die jüngsten Quartalszahlen der großen Ölkonzerne zeigen einmal mehr, wie viel Geld mit fossilen Energieträgern verdient wird. Während Kriege, politische Krisen und Hitzewellen weltweit die Schlagzeilen bestimmen, haben acht der größten Ölkonzerne zwischen April und Juni zusammengerechnet rund 93 Milliarden US-Dollar Gewinn erzielt – fast doppelt so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Diese Zahlen sind kein Zufall. Sie zeigen vor allem eines: Solange unsere Wirtschaft und unser Alltag von Öl und Gas abhängig bleiben, fließen enorme Summen an wenige internationale Konzerne. Mit wirtschaftlicher Stärke wächst zwangsläufig auch politischer Einfluss. Die fossile Industrie gehört seit Jahrzehnten zu den einflussreichsten Lobbygruppen der Welt. Sie setzt sich verständlicherweise für ihre Geschäftsmodelle ein – doch diese Interessen decken sich nicht immer mit den langfristigen Interessen unserer Gesellschaft.
Vor gar nicht so langer Zeit blickten viele Kleingartenvereine mit Sorge in die Zukunft. Frei werdende Parzellen blieben teilweise über Monate unbesetzt, Vorstände suchten händeringend nach neuen Pächtern und mancher fragte sich, ob das klassische Kleingartenwesen überhaupt noch eine Zukunft habe.
Heute hat sich das Bild vielerorts grundlegend verändert. In zahlreichen Vereinen gibt es wieder Wartelisten. Frei werdende Parzellen sind oft innerhalb kurzer Zeit neu vergeben. Was ist passiert?
Ein wesentlicher Grund liegt auf der Hand: Wohneigentum ist für viele Familien deutlich teurer geworden. Ein Einfamilienhaus mit großem Garten bleibt für viele ein Wunschtraum. Der Kleingarten bietet eine Alternative. Er ermöglicht den Zugang zu einem eigenen Stück Natur – bezahlbar, überschaubar und oft nur wenige Minuten von der Wohnung entfernt. Gerade Familien mit Kindern entdecken wieder den Wert eines Gartens. Hier können Kinder spielen, Pflanzen wachsen sehen und erleben, dass Erdbeeren nicht im Supermarkt entstehen.